Endesa-Übernahme
Analysten wittern Komplott gegen Eon

Eigentlich hatte der Düsseldorfer Strom- und Gasversorger Eon doch nur seinen spanischen Rivalen Endesa kaufen wollen. Ein Geschäft wie viele andere. Doch daraus hat sich eine der bizarrsten Übernahmeschlachten in der Wirtschaftsgeschichte entwickelt, in der zuletzt der italienische Wettbewerber Enel eingestiegen ist. Für Eon wird die Luft langsam dünn.

HB DÜSSELDORF. Der italiensche Energiekonzern Enel bestätigte am Mittwoch den Kauf von 9,99 Prozent Endesa-Aktien für 4,13 Mrd EUR und stellte zugleich eine weitere Aufstockung der Beteiligung in Aussicht auf bis zu 24,99 Prozent. In einer ersten Reaktion zeigte sich Eon wortkarg und erklärte lediglich: „Eon führt auch nach dem bekannt gewordenen Aktienerwerb durch Enel das Übernahmeangebot für Endesa unverändert fort.“ Einzig das von Eon unterbreitete Angebot richte sich an alle Endesa-Aktionäre.

Analysten verwiesen allerdings darauf, dass es nun deutlich schwerer werde, die geplanten Satzungsänderungen bei Endesa durchzusetzen. Eon hat als Bedingung für seine 41 Mrd. Euro schwere Offerte unter anderem eine Aufhebung der derzeitigen Stimmrechts-Beschränkungen bei dem spanischen Stromunternehmen vorgegeben. Hierüber soll eine außerordentliche Hauptversammlung von Endesa am 20. März entscheiden.

Mit Enel als weiterem neuen Großaktionär sei es unwahrscheinlich geworden, dass die Statuten von Endesa auf der Hauptversammlung geändert würden, zeigte sich WestLB-Analyst Peter Wirtz skeptisch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Eon nur einen Minderheitsanteil an Endesa erhalte oder sich jetzt nach anderen Möglichkeiten im europäischen Energiemarkt umschauen müsse. Das aktuelle Gebot von 38,75 Euro je Endesa-Aktie dürfe Eon derzeit nicht anheben. Enel hatte für die Endesa-Papiere im Schnitt 39 Euro gezahlt.

Hat Eon einen „Plan B“?

Eon müsse nun einen „Plan B“ haben, hieß es bei J.P. Morgan. Andernfalls sei zu erwarten, dass der Stromkonzern von seinem Angebot zurücktrete. Die Bank erwartet für diesen Fall, dass Eon in der Zukunft niedrigere Gewinne einfährt als gedacht. Die Aktie des Dax-Konzerns war Tagesverlierer im Dax mit einem Minus von mehr als 4 Prozent.

In Branchenkreisen wurde über den unerwarteten Einstieg von Enel gerätselt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es einen Deal zwischen der spanischen und italienischen Regierung gegeben habe, um Eon auszubremsen, hieß es. Dass Enel erst jetzt eingestiegen sei, könnte auch ein Hinweis darauf sein, „dass das Unternehmen versuchen werde, Eon zu erpressen“, um sich Vorteile zu verschaffen, meinte der Versorger-Analyst Matthias Heck von der Privatbank Sal. Oppenheim. Kurz vor dem Bekanntwerden der Enel-Aktion hatte der spanische Industrieminister Joan Clos in einem Radio-Interview gesagt, dass Eon bei Endesa nicht zum Zuge kommen und das Unternehmen in spanischer Hand bleiben würde.

Seite 1:

Analysten wittern Komplott gegen Eon

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%