Endesa-Übernahme
Die Schlammschlacht

Der Übernahmekampf um den spanischen Versorger Endesa dauert nun schon Monate. Und mit jedem Tag verliert der Essener Energiekonzern Eon an Unterstützung. Er gilt gar als Aggressor.

MADRID. Eon-Chef Wulf Bernotat versucht bei seinem Auftritt in Madrid vor mehr als einem Monat, Optimismus zu verbreiten. Die spanische Regierung hat gerade auf Druck der EU-Kommission die harten Auflagen für die Übernahme des größten spanischen Energiekonzern Endesa zurückgezogen: „Wir begrüßen das sehr und hoffen, bis Ende des Jahres den Aktionären unser Angebot unterbreiten zu können“, sagt Bernotat. Gleich spürt er Widerstand: „Was ist mit dem spanischen Mischkonzern Acciona?“, fragt eine spanische Journalistin. „Machen die mit ihrer Beteiligung an Endesa nicht einen Strich durch Ihre Rechnung?“ Bernotat atmet tief durch, setzt seine Brille ab, reibt sich die Augen. Er wusste, dass dieser Tag hart werden würde. Nein, er habe keine Angst vor Acciona.

Am Wochenende davor hatte Eon einen europaweiten Stromausfall provoziert. „Ist Eon wirklich der richtige Käufer für unseren größten Energiekonzern?“, fragen viele spanische Zeitungen an diesem Montag. Den vor ein paar Monaten noch wegen seines transparenten Angebots gefeierten Bernotat, der Endesa gemäß vieler spanischer Medien vor den Klauen des katalanischen Versorgers Gas Natural und der dortigen Regierung retten wollte, sieht die spanische Öffentlichkeit immer mehr als Aggressor. Schuld daran ist auch José Manuel Entrecanales. Der junge, aufstrebende Chef und Miteigentümer von Acciona verbreitet diese Stimmung mit Hilfe von Gas Natural.

Das von seiner Familie kontrollierte Unternehmen besitzt inzwischen einen Anteil von mehr als 20 Prozent an Endesa. „Mit seinem Einstieg im vergangenen September wurde plötzlich eine nicht-katalanische, nationale Lösung beim Übernahmekampf möglich. Eine Lösung, die zudem nicht gegen die europäischen Wettbewerbsgesetze verstößt und Spanien damit nicht in ein schlechtes Licht rückt“, sagt Juan Ledradro Gómez, Dozent für Handelsrecht an der Madrider Universidad Complutense.

Politiker laufen über

Vor Accionas Auftritt hatte Eon zumindest die konservativen spanischen Parteien auf seiner Seite. Sie zogen den deutschen Versorger klar der katalanischen Lösung mit Gas Natural als Käufer vor. Jetzt stehen viele von ihnen jedoch auf der Seite von Acciona. Man hört kaum noch kritische Worte über die Hetzkampagne gegen die Deutschen, die der Konzern vor einigen Wochen begonnen hat.Entrecanales hat immer noch nicht verwunden, dass Eon Anfang Oktober bei der New Yorker Börsenaufsicht SEC eine Klage gegen sein Unternehmen eingereicht hat, es verdächtigt, undurchsichtige Absichten beim Einstieg bei Endesa zu haben. „Die wollen unsere alternative Lösung für Spaniens größten Versorger einfach töten“, heißt es aus Kreisen von Acciona.

Entrecanales kündigte vor zwei Wochen an, dass Acciona sich an der möglichen Klage Gas Naturals gegen Eon, Endesa und die Deutsche Bank vor dem Handelsgericht in Barcelona beteiligen wird. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten im Übernahmeprozess Insider-Informationen ausgetauscht. Noch ist die Klage nicht akzeptiert. In den kommenden Tagen, wenn der zuständige Richter alle Informationen vorliegen hat, wird eine Entscheidung erwartet. Kommt es zur Klage, so glauben viele, hat Acciona bereits eine Werbeschlacht gegen die Deutschen in der Schublade. „Wir werden nicht zulassen, dass Eon versucht, über die Klagen in den USA uns unser Aktienpaket wegzunehmen“, heißt es aus Kreisen der Kanzlei, die Accionas Interessen vertritt.

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