Endesa-Übernahme
EU unterstützt Eon

DerEnergiekonzern Eon erhält in seinem Kampf um die Übernahme des größten spanischen Versorgers Endesa wie erhofft Schützenhilfe aus Brüssel: Die EU-Kommission hat Wettbewerbshüterin Neelie Kroes ermächtigt, gegen die erwartete Blockade der Transaktion durch die spanischen Aufsichtsbehörden vorzugehen.

DÜSSELDORF. Das bestätigte ein Sprecher der Kommission. Kroes kann nun ohne nochmalige Rücksprache mit ihren Kollegen einschreiten, sollte Spanien die Übernahmepläne behindern.

Eon hatte Ende Februar für Endesa eine Offerte von 29,1 Mrd. Euro unterbreitet, stößt damit aber in Spanien auf Widerstand. Die Regierung will den Einstieg des deutschen Konzerns verhindern, einen großen spanischen Versorger schaffen und unterstützt deshalb eine Offerte von Gas Natural. Der größte spanische Gasversorger hatte bereits im Herbst eine Offerte vorgelegt, die aber mit rund 22,5 Mrd. Euro niedriger liegt und zudem vom Endesa-Management als feindlich abgelehnt wird.

Nach Ansicht der EU-Kommission fällt die wettbewerbsrechtliche Prüfung von Eons Übernahmeplänen allein in ihre Zuständigkeit – weil die beteiligten Unternehmen mehr als ein Drittel des Umsatzes im Ausland erwirtschaften. Sie schaut kritisch auf ein eilig von der spanischen Regierung erlassenes Dekret, das auch der nationalen Energieaufsichtsbehörde CNE das Recht einräumt, die Fusion zu prüfen und zu blockieren. Sowohl die EU-Kommission als auch die CNE haben inzwischen die Prüfung aufgenommen. Die EU will Ende April entscheiden und dürfte die Pläne nach Ansicht von Branchenexperten genehmigen, weil sich die Versorgungsgebiete der beiden Unternehmen kaum überschneiden. Die CNE wird ihre Entscheidung später fallen. Die Ermächtigung von Kroes heißt im Klartext, dass die Kommissarin eine Entscheidung der CNE, wenn sie anders ausfällt als die der EU, für nichtig erklären kann. Die Kommission hatte Spanien in einem Schreiben bereits aufgefordert, eine Entscheidung im Fall Eon/Endesa umgehend mitzuteilen.

Zeichen der Entschlossenheit

Eon wollte den Schritt nicht kommentieren. In Konzernkreisen wurde er aber als Zeichen für die Entschlossenheit der Behörde gewertet. Der Konzern setzt nach Informationen des Handelsblatts auf die Intervention der Wettbewerbskommissarin die meisten Hoffnungen. Sie verspricht schneller Erfolg als ein mögliches, paralleles Vertragsverletzungsverfahren, das Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy angekündigt hat. Dieser sieht in dem Dekret einen Verstoß gegen die Binnenmarktrichtlinien – die Niederlassungsfreiheit und den freien Kapitalverkehr. Es wird erwartet, dass er noch im April ein Verfahren einleitet, das Spanien letztlich vor den Europäischen Gerichtshof bringen könnte. Das Problem: „Ein solches Verfahren kann sich über Jahre ziehen“, erläutert Europarechtsexpertin Petra Samson von der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz, „Eon muss in der Tat auf eine schnellere Lösung hoffen.“

Der Übernahmekampf um Endesa dürfte aber auf jeden Fall zu einer langen juristischen Hängepartie werden. Während Eons Offerte zur Zeit bei den Kartellbehörden hängt, wird die Gas-Natural-Offerte von einem Handelsgericht in Madrid blockiert, das auf Antrag Endesas prüft, ob Gas Natural wettbewerbswidrige Absprachen mit Iberdrola getroffen hat. Gas Natural hatte dem Konkurrenten im Vorfeld die Übernahme von Endesa-Aktivitäten in Aussicht gestellt.

Der Gas-Versorger rechnet mindestens mit einer Verzögerung von zwei Monaten, wie die Konzernführung am Freitag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung erklärte. Sie ließ sich eine Kapitalerhöhung für ihre Offerte genehmigen. Als Gegenleistung versprach sie eine üppige Ausschüttung – sollte die Übernahme erfolgreich sein.

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