Endesa-Übernahme
Kartellwächter misstrauen Versorgern

Keine Woche ist vergangen, seit EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in einer spektakulären Rede die Macht der großen Energieversorger anprangerte, da verkündet Deutschlands Marktführer Eon die bisher größte Übernahme in der Branche.

BRÜSSEL. Für 29 Mrd. Euro wollen sich die Düsseldorfer den führenden spanischen Stromversorger Endesa einverleiben. Gelingt ihnen das, dann würde Eon – nach den jüngsten Zahlen bereits Europas größter Energieversorger – seinen Vorsprung vor der Nummer zwei der Branche, Electricité de France (EdF), deutlich ausbauen.

Niemand in Brüssel bezweifelt, dass die Wettbewerbshüter der EU diese Machtkonzentration kritisch prüfen werden. Zumal Kroes vergangene Woche angekündigt hatte, dass sie gegen die großen Versorger Kartellverfahren einleiten will, weil diese ihre Marktmacht missbrauchten und überhöhte Energiepreise verlangten. Zwar nannte sie Eon dabei nicht namentlich, doch in Branchenkreisen war man sich einig, dass der deutsche Energieriese ganz oben auf der schwarzen Liste der EU-Kartellwächter steht.

Für die geplante Übernahme von Endesa muss dies aber noch lange keine negativen Folgen haben. Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat jedenfalls äußerte sich zuversichtlich, dass die EU-Kommission die Milliardenfusion genehmigen werde.

Probleme seien nicht zu erwarten, sagte Bernotat, weil Eon bisher in Spanien und Lateinamerika nicht tätig sei. Auch die Überschneidungen mit Endesa in Italien und Frankreich seien nur gering. Börries Ahrens, Kartellanwalt bei der Kanzlei White & Case, teilte diese Sichtweise. Auf den ersten Blick sei die Übernahme wettbewerbsrechtlich relativ unproblematisch, sagte er. Allerdings werde die EU-Kommission voraussichtlich nicht nur die unmittelbare Wirkung auf die Märkte in Deutschland und Spanien betrachten, sondern auch die mittelbaren Folgen für den Wettbewerb in ganz Europa. Denkbar sei deshalb auch, dass sie die Übernahme nur unter Auflagen genehmige, etwa den Verkauf von Randbereichen in Ländern, in denen beide Unternehmen tätig sind.

Wettbewerbskommissarin Kroes und ihre Behörde hüllten sich am Dienstag in tiefes Schweigen. Zunächst müsse Eon die Übernahme in Brüssel anmelden, sagte Kroes’ Sprecher lediglich, dann werde ihre Wirkung auf den Wettbewerb geprüft wie in jedem anderen Fall. Für die Kommission ist die Bewertung der Eon-Pläne schon deshalb verzwickt, weil der spanische Versorger Gas Natural ebenfalls Endesa übernehmen will. Dies würde zumindest auf dem spanischen Markt den Wettbewerb vermutlich stärker beeinträchtigen als eine Übernahme von Endesa durch Eon. Kroes hätte die bereits im September von Gas Natural verkündeten Übernahmepläne gerne geprüft. Doch da Gas Natural und Endesa mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes in Spanien machen, blieb dies den spanischen Kartellbehörden vorbehalten. Die waren gegen die Übernahme, doch die spanische Regierung setzte ihre Genehmigung durch.

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