Endkunden-Abschied
Großprojekte sind die Zukunft von Siemens

Personalabbau, Verkauf der Handysparte, Ergebniseinbruch. Der Siemens-Konzern, so scheint es, verzettelt sich in Einzelproblemen. Doch Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat einen Ausweg gefunden. Und der scheint gangbar.

fas MÜNCHEN. Die Zukunft des Konzerns entscheidet sich an globalen Trends – und die hat Kleinfeld klar definiert: Bevölkerungswachstum, zunehmende Überalterung und fortschreitende Urbanisierung. „Megatrends prägen unsere Zukunftsmärkte, an denen wir uns konsequent ausrichten“, verspricht der Siemens-Chef.

Der Blick in die Auftragsbücher gibt Kleinfeld recht. Um elf Prozent sind die Aufträge im abgelaufenen Geschäftsjahr gestiegen und es sind vor allem große Infrastrukturprojekte, die Siemens in den kommenden Jahren abwickelt. Kleinfeld will, dass Siemens mittelfristig doppelt so schnell wächst, wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt. Das wären derzeit rund acht Prozent. „Gerade für uns, als einen der weltweit größten Infrastrukturanbieter ist das eine gute Richtschnur.“ Siemens wächst derzeit mit sieben Prozent.

Die Bestellungen geben dem Konzern Rückenwind. Beispiel Energieerzeugung: Um 19 Prozent sind die Aufträge der Kraftwerksbauer im abgelaufenen Geschäftsjahr gestiegen, der Bereich Stromverteilung hat bei den Bestellungen gar 37 Prozent zugelegt. Ja, selbst die Verkehrssparte, einst Sorgenkind des Konzerns, hat acht Prozent mehr Bestellungen hereingeholt. Und die Gesundheitssparte ist mit ihren Diagnostikangeboten wie Kernspintomographen mittlerweile das profitabelste Geschäftsfeld von Siemens. Hier schlagen immerhin sechs Prozent mehr Aufträge zu Buche. Das Siemens-Großkundengeschäft mit der Industrie meldet ohnehin ein zweistelliges Orderplus.

Großabnehmer sind also die Zielkundschaft der Zukunft, vom Endverbraucher hat sich Siemens endgültig verabschiedet. Denn der Verkauf der Handysparte war der letzte Schritt auf dem Weg, der Siemens weg vom Endkunden führte. Das Geschäft mit Waschmaschinen und Kühlschränken ist längst in Bosch-Siemens Hausgeräte ausgegliedert. Und das Computergeschäft Fujitsu-Siemens führt der Konzern als Finanzbeteiligung.

„In der Summe ist die Strategie ein richtiger Ansatz“, sagt Roland Pitz von der Hypo-Vereinsbank. „Siemens hat sich nie durch ein fein ausgeprägtes Gespür für die Bedürfnisse des Endkunden ausgezeichnet“, sagt der Analyst. Im Großkundengeschäft könne der Konzern hingegen seine Stärken ausspielen. Große, technisch komplexe Lösungen, die einen hohen Forschungsaufwand erfordern. Schließlich sei Siemens im Handygeschäft nicht an der technischen Unterlegenheit seiner Geräte gescheitert, sondern vor allem am Marketing und am Timing seiner Produkte für den Endkunden.

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