Endspiel in der Autobranche
Zulieferer spielen Pac-Man

Die Krise beschleunigt das Endspiel unter den Zulieferern - wer nicht selbst zulangt, droht geschluckt zu werden. Der französische Anbieter Faurecia prescht vor und kündigt die milliardenschwere Übernahme des US-Spezialisten für Abgasreduktion Emcon an. Doch dies soll erst der Anfang sein.
  • 0

PARIS/STUTTGART/DÜSSELDORF. Die schwerste Krise in der Automobilindustrie seit Jahrzehnten beschleunigt die Konzentration in der Zuliefererbranche. Dabei geht es zu, wie beim Computerspiel Pac-Man in den 80er-Jahren: Wer nicht frisst, wird gefressen.

Gestern verkündete der französische Autozulieferer Faurecia, hinter den deutschen Anbietern Bosch und Continental die Nummer drei im europäischen Zulieferermarkt jenseits der Reifenhersteller, die milliardenschwere Übernahme von Emcon, einem US-Spezialisten für Abgasreduktion. Für die Franzosen soll das erst der Anfang sein. "Faurecia gilt als starker Akteur der anstehenden Konzentrationswelle", sagte Faurecias Vorstandschef Yann Delabrière dem Handelsblatt. Nur wenige Zulieferer seien in der Lage, die verwandten Plattformen der Hersteller weltweit mit Teilen gleicher Qualität zu beliefern. Großen globalen Systemzulieferern fällt es leichter, den Herstellern zu ihren Produktionsstätten in Russland, Indien, Brasilien und China zu folgen. In den meisten dieser Wachstumsmärkte unterhalten die Branchenriesen ohnehin Standorte.

Überkapazitäten drücken die Preise

Um diese weltweite Präsenz zu stemmen, sind Investitionen nötig, die nur noch die Großen der Branche leisten können. Verschärft wird dieser Trend hin zu den Großanbietern von der Branchenkrise und weltweiten Überkapazitäten. Diese rauben kleinen Anbietern noch mehr von ihrer ohnehin schon knappen Puste. Der Faurecia-Chef sieht daher eine "sich beschleunigenden Konsolidierung in der Automobilzulieferindustrie".

Das bewerten Experten genauso. "Die Konsolidierung in der Zuliefererindustrie wird sich im Verlauf der Finanz- und Absatzkrise beschleunigen", sagt Stefan Bratzel, Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Als Gründe nennt er akute wirtschaftliche Probleme: Der überwiegende Teil der 100 größten Zulieferer weltweit wird das laufende Jahr mit Verlust abschließen. "Im Mittel wird die Umsatzrendite in einer Spanne zwischen minus drei und minus fünf Prozent liegen", sagt der Autoprofessor. Das überleben viele kleine Anbieter, deren finanzielle Lage angesichts von Überkapazitäten und Preisverfall ohnehin schon angespannt ist, nicht.

Die Chancen, aktuell bei Übernahmen einen günstigen Preis zu erzielen, sind somit hoch. Zudem viele Zulieferer darunter leiden, nur schwer Refinanzierungen zu akzeptablen Konditionen zu erhalten. "Viele Banken prüfen die Kreditvergabe an Autounternehmen kritischer", sagt Bratzel. Auf der Aufgabenliste jedes Zulieferers steht derzeit deswegen das Management der Liquidität ganz oben.

Das gilt auch für Faurecia. Angesichts hoher Nettoschulden von 1,5 Mrd. Euro müsse er vorsichtig sein, sagt Delabrière. Allzu große Investitionen seien derzeit nicht möglich. Deshalb bezahlt er den Emcon-Deal mit 20,9 Mio. neuer Aktien.

Faurecias Einkaufstour geht weiter

Die Franzosen wollen aber weiter alle Gelegenheiten prüfen, durch Übernahmen zu wachsen: "Klar ist aber, dass wir uns auf unsere vier Segmente Sitze, Frontend, Innenraum- und Abgassysteme konzentrieren, in denen wir weltweit sehr stark sind."

Auch der französische Rivale Valeo will bei der Konsolidierung mitreden: "Wir werden Jäger, nicht Beute sein", sagte eine Sprecherin gestern. Allerdings liege kurzfristig der Fokus auf einer Verbesserung der Rentabilität durch Kostenreduktion, mehr Innovation und einem Ausbau des Geschäfts in Schwellenländern.

Seite 1:

Zulieferer spielen Pac-Man

Seite 2:

Kommentare zu " Endspiel in der Autobranche: Zulieferer spielen Pac-Man"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%