Enea-Übernahme
RWE schreckt in Polen zurück

Die Übernahme des polnischen Versorgers Enea durch den deutschen Energiekonzern RWE ist vorerst gescheitert. Die Preisvorstellung der polnischen Regierung sei zu hoch, heißt es aus Verhandlungkreisen. Der Verkaufsprozess soll nun wieder für andere Bieter geöffnet werden.

DÜSSELDORF. RWE rudert bei der geplanten Übernahme des polnischen Versorgers Enea offenbar zurück. Der Energiekonzern sei nicht bereit, die hohen Preisvorstellungen der Regierung zu erfüllen, hieß es aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Eine Einigung sei deshalb kaum mehr möglich. Vermutlich werde der Verkaufsprozess wieder für andere Bieter geöffnet.

Mitte August hatte die Regierung den deutschen Energiekonzern nach einem monatelangen Bieterverfahren noch als exklusiven Verhandlungspartner ausgewählt und ihm Einblick in die Bücher gewährt. Eigentlich sollte das RWE-Management bis morgen ein verbindliches Gebot abgeben.

Ob RWE das machen wird, ist zwar noch offen. So oder so liegen die Vorstellungen der polnischen Regierung und von RWE aber zu weit auseinander, wie es in den Kreisen hieß. Der Aktienkurs der wenigen noch frei gehandelten Aktien von Enea sei durch den Verkaufsprozess von 14 Zloty auf zwischenzeitlich über 25 Zloty je Aktie getrieben worden und notiere noch immer über 21 Zloty. Während RWE nicht bereit sei, so viel zu bezahlen, fordere die Regierung sogar noch einen Aufschlag. Insgesamt wird das Unternehmen derzeit mit 2,3 Mrd. Euro bewertet. Zum Verkauf steht der staatseigene Anteil von 67 Prozent, der rund 1,5 Mrd. Euro wert ist. RWE müsste aber vermutlich auch den anderen Aktionären ein Angebot unterbreiten.

RWE wollte den Stand der Verhandlungen nicht kommentieren. Die polnische Regierung hatte in den vergangenen Tagen bereits ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Der für die Privatisierung zuständige Staatssekretär Jan Bury hatte erklärt, dass die Regierung auch wieder für Gegenofferten offen sei. Der bereits mit 19 Prozent an Enea beteiligte schwedische Energiekonzern Vattenfall könne jederzeit eine Offerte einreichen. Die Regierung wolle die Transaktion noch in diesem Jahr abschließen. Inzwischen wird in Polen auch über ein Interesse des französischen Konkurrenten GDF Suez spekuliert.

Prinzipiell wäre Enea für RWE attraktiv. Der Energiemarkt in Polen wächst im EU-Vergleich überdurchschnittlich mit Raten von drei bis fünf Prozent. Enea ist mit einem Marktanteil von 15 Prozent, 2,5 Mio. Kunden und einem Umsatz von rund 1,7 Mrd. Euro der drittgrößte Versorger. Vor allem würde das Unternehmen die bisherigen Aktivitäten von RWE in Polen gut ergänzen. Das Unternehmen versorgt dort schon rund 880 000 Haushalte mit Strom, hat einen Anteil von 5,5 Prozent am Strommarkt und plant den Bau eines 800 Megawatt starken Steinkohlekraftwerks.

„Strategisch würde das passen“, sagt Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim, „unter den gegeben politischen Rahmenbedingungen ist die Bewertung aber eindeutig zu hoch.“

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