Enea-Übernahme
Vattenfall fährt RWE in Polen in die Parade

Mit dem Verkauf des Versorgers Enea will die polnische Regierung die angespannten Staatsfinanzen sanieren. Doch die Verkaufsverhandlungen mit Hauptinteressent RWE könnten sich nun deutlich verzögern. Konkurrent und Minderheitsaktionär Vattenfall will die Übernahme von der Finanzaufsicht prüfen lassen.

WARSCHAU. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall schießt gegen den Verkauf des polnischen Versorgers Enea an RWE. Die Schweden vermuten, dass es im Laufe der Due Dilligence durch RWE zu einer Herausgabe vertraulicher Dokumente gekommen ist. "Wir prüfen den Gang zur Finanzaufsicht", sagte ein Sprecher von Vattenfall Polen. Der Vorstand von Enea hatte in vergangenen Tagen den Deutschen eine Liste von Dokumenten überlassen. Vattenfall ist Minderheitsaktionär von 18,66 Prozent der Anteile. RWE ist seit Mitte August alleiniger Verhandlungspartner des polnischen Staates für die Übernahme einer Mehrheit an Enea.

Vattenfall ist verärgert über den Mehrheitsaktionär: Mitte September schoss Polen auf der Hauptversammlung den Vattenfall-Vertreter im Aufsichtsrat ab und ersetzte ihn durch seinen eigenen Kandidaten. Auch dies will Vattenfall auf Rechtmäßigkeit überprüfen lassen.

Damit gestaltet sich der Verkaufsprozess immer schwieriger. Das ist nicht nur für RWE unangenehm, sondern auch für die polnische Regierung. Denn sie benötigt unbedingt die Einnahmen, um den angespannten Haushalt zu finanzieren. Und der Verkauf von Enea an RWE ist im laufenden Jahr der größte Verkauf. Gelingt diese Transaktion nicht, dann fehlt ein wichtiger Baustein im Privatisierungsplan. Experten taxieren den Wert des Aktienpaketes, der verkauft wird, auf 1,9 Mrd. Euro.

Prinzipiell ist Enea attraktiv. Der Energiemarkt in Polen ist einer der größten in der EU und verspricht stetiges Wachstum. Enea ist mit einem Marktteil von 15 Prozent, rund 10 000 Mitarbeitern und 2,5 Mio. Kunden einer der größten Energieversorger im Land. Auch die Bilanz sieht ordentlich aus. Enea hat nach den ersten sechs Monaten einen Erlös von 3,6 Mrd. Zloty (850 Mio. Euro) erreicht und verfügt über hohe Barmittel.

Doch ist Enea zugleich ein Gemischtwarenladen, der an kommunistische Zeiten erinnert. Das Unternehmen betreibt noch mehrere Reisebüros sowie ein Sanatorium in der Westpolen. Das ist noch nicht alles: Auch Laptops oder Faxgeräte gehören zum Programm. RWE müsste Enea erheblich umbauen.

Marktbeobachter waren davon ausgegangen, dass auch Vattenfall mitbietet. Die Schweden sind neben RWE, dem das Warschauer Stromvertriebsunternehmen Stoen gehört, die einzigen ausländischen Investoren in Polen. Die Gründe, warum Vattenfall nicht mitbietet, sind unklar. "Die Vorbereitungszeit für ein Angebot war absurd gering", zitiert die Fachzeitschrift "Nowy Przemysl" Vattenfall-Polenchef Torbjörn Wahlborg.

Ein möglicher Grund: Den Schweden fehlt derzeit schlichtweg das Geld, haben sie doch im Juli erst fast fünf Mrd. Euro für den niederländischen Energieversorgers Nuon ausgegeben. Polen hofft, dass die Schweden sich doch noch anders entscheiden und am Bieterwettbewerb teilnehmen. "Rechtlich gibt es dafür die Möglichkeit", erklärte ein Sprecher des polnischen Ministeriums für Staatsvermögen. Zwei Bewerber wären für das Land besser, weil es dann einen höheren Preis verlangen könnte. Vattenfall wollte auf Anfrage nichts zu diesem Thema sagen.

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