Energie
Finanzkrise dreht Versorgern den Saft ab

Die meisten deutschen Kraftwerke sind alt, ineffizient und stoßen große Mengen von Kohlendioxid aus. Seit Jahren drängen Experten auf den Bau neuer Kraftwerke. Doch die Erneuerung kommt laut einer Studie nur schleppend voran. Vor allem kleinere Energieunternehmen bekommen immer mehr Probleme bei der Finanzierung von Kraftwerksprojekten.

DÜSSELDORF. Der in Deutschland dringend nötige Neubau von Kraftwerken kommt nur schleppend voran: Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Trendresearch sind fast 60 Prozent der zur Zeit 67 bekannten Kohle- und Gaskraftwerksprojekte noch ungewiss oder wurden sogar schon wieder eingestellt. Nachdem in den vergangenen Jahren schon deutlich gestiegene Baukosten und lokalpolitische Widerstände den Neubau bremsten, setzt nun die Wirtschafts- und Finanzkrise ein zusätzliches Fragezeichen hinter die Finanzierung einzelner Projekte.

Die Trendresearch-Forscher analysieren regelmäßig den deutschen Kraftwerksmarkt, interviewen Kraftwerksbetreiber und-bauer und stufen die veröffentlichten Kraftwerksprojekte nach der Wahrscheinlichkeit ihrer Realisierung ein. Ihrer Darstellung nach waren im Mai nur 15 Kraftwerke mit einer Leistung von 15,7 Gigawatt (GW) bereits im Bau. Bei sechs weiteren Projekten mit 6,5 GW sind zumindest konkrete Planungen eingeleitet. Bei 22 Anlagen, die eigentlich auf 18,3 GW kommen sollen, ist die Realisierung dagegen ungewiss und bei 24 Projekten mit 12,7 GW sogar unwahrscheinlich, beziehungsweise sie wurden bereits eingestellt.

Dabei drängen Branchenexperten seit Jahren auf den Bau neuer Kraftwerke. Nach Angaben des Bundesverbands der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) müssen bis 2020 allein 40 GW ersetzt werden, weil die Anlagen in die Jahre kommen. Mehr als 40 Prozent der aktuellen Großkraftwerke sind schließlich älter als 40 Jahre, arbeiten ineffizient und stoßen große Mengen des klimaschädlichen CO2 aus. Hinzu kommt der politisch gewollte Ausstieg aus der Kernenergie, der kompensiert werden muss. Die Furcht vor einer Stromlücke, also einem zu geringen Stromangebot auf dem Markt, werden auch die Teilnehmer des morgen beginnenden BDEW-Jahreskongresses rege diskutieren.

Bleibt es beim Atomausstieg, kann das Stromangebot die-nachfrage nach Darstellung der Studie langfristig nur decken, wenn kräftig in erneuerbare Energien und Kohle- oder Gaskraftwerke investiert wird. In beiden Bereichen häufen sich aber die Negativmeldungen.

Das Stadtwerkenetzwerk Trianel beispielsweise verschob jüngst die Inbetriebnahme eines Windparks vor Borkum um ein Jahr. Die EnBW und der Chemiekonzern Dow gaben vor zwei Wochen die Pläne für ein kombiniertes Kohle- und Gaskraftwerk im niedersächsischen Stade auf. Gazprom verzichtet auf eine Gasanlage in Eisenhüttenstadt. In vielen Städten stoßen die Versorger mit geplanten Kohlekraftwerken zudem auf Widerstände durch Umweltschützer.

Neben den politischen Widerständen machten den Versorgern lange Zeit vor allem die gestiegenen Investitionskosten zu schaffen. Im vergangenen Jahr mussten sie pro Kilowatt Leistung eines Steinkohlekraftwerks mit Rekordpreisen von 1700 Euro kalkulieren. Das ist etwa doppelt so viel wie vier Jahre zuvor. Schuld waren gestiegene Rohstoffpreise und die hohe Nachfrage nach Kraftwerken.

Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geben die Preise für Rohstoffe zwar wieder deutlich nach und die für Kraftwerke leicht. Dafür haben vor allem kleinere Unternehmen jetzt aber offenbar Probleme, Windkraft- oder Kraftwerksprojekte zu finanzieren. Selbst Branchenriese Eon kündigte an, jedes Projekt neu zu kalkulieren und eventuell zu strecken.

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