Energie
Interesse von MVV an Übernahme von Stadtwerken kühlt ab

MVV Energie vollzieht einen Strategiewechsel: Der Erwerb von Stadtwerken steht nicht mehr wie früher ganz oben auf der Agenda. Vielmehr will der Konzern nun organisch wachsen. Dafür stockt MVV das Investitionsbudget auf: Bis 2020 sollen drei Milliarden Euro fließen.

FRANKFURT. Der Versorger MVV Energie will sein Geschäft mit Wind- und Solarstrom massiv erweitern. "Wir sehen unsere eigene Zukunft in dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energiedienstleistungen", sagte Vorstandschef Georg Müller gestern in Mannheim. Bis zum Jahr 2020 will das Unternehmen insgesamt drei Mrd. Euro investieren.

Das Investitionsprogramm bedeutet auch ein Strategieschwenk: Der Erwerb von Stadtwerken steht nicht mehr wie früher ganz oben auf der Agenda. MVV Energie hatte sich in den vergangenen Jahren an einer Reihe von Kommunalversorgern beteiligt, darunter den Stadtwerken in Kiel, Offenbach und Solingen. Mit den Zukäufe wollte die börsennotierte Gesellschaft ihre Position auf dem Strom- und Gasmarkt stärken und damit im Wettbewerb mit den Schwergewichten RWE, Eon, Vattenfall und EnBW besser bestehen.

Die Umsetzung der früheren Strategie erwies sich allerdings als mühselig. Denn entgegen der Erwartung von Branchenexperten wurden in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenige der rund 800 Kommunalversorger zum Kauf angeboten.

Dies änderte sich erst, als Marktführer Eon seine Tochter Thüga zum Verkauf stellte. In dieser hatten die Düsseldorfer ihre Minderheitsbeteiligungen an rund 100 Stadtwerken gebündelt. Erwerber waren im August 2009 die Regionalversorger Mainova, Stadtwerke Hannover, N-Ergie aus Nürnberg und ein Konsortium um die Freiburger Badenova. Auch MVV hatte sich im Verbund mit der Kölner Rheinenergie für Thüga interessiert, von einem Angebot dann aber Abstand genommen.

Auch wenn ein MVV-Sprecher den Kauf weiterer Stadtwerke-Beteiligungen nicht ausschloss, fokussiert sich das Unternehmen nun mehr auf internes Wachstum. Das Investitionsbudget wird dafür aufgestockt - bis 2020 sollen im Durchschnitt 300 Mio. Euro pro Jahr fließen. In den vergangenen Jahren hatte das Volumen zwischen 150 und 200 Mio. Euro gelegen.

Ein Teil der Investitionssumme fließt in den neuen Kohleblock im Kraftwerk Mannheim sowie in die Erweiterung der Geschäftsfelder Industriestrom und Fernwärme. Über die Aufteilung der Investitionsmittel machte das Unternehmen keine Angaben. Darüber sei noch nicht entschieden worden.

Mit dem Programm wolle MVV seine Position unter den führenden Energieunternehmen in Deutschland sichern, sagte Vorstandschef Müller. Derzeit liegt MVV auf Rang sechs der bundesdeutschen Energiekonzerne.

Einen Verkauf von Aktivitäten plant Müller offenbar nicht. Auch in Zukunft wolle MVV ein voll integriertes Energieunternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette bleiben. Von einzelnen Kernbereichen werde sich die Gesellschaft daher nicht trennen, sagte der Vorstandschef.

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