Energie
OMV zieht Schlussstrich unter das Kapitel MOL

Der österreichische Energiekonzern OMV zieht einen Schlussstrich unter das jahrelange Werben um den ungarischen Wettbewerber MOL. Die russische Surgutneftegaz kauft den Anteil der Österreicher an dem ungarischen Energiekonzern für 1,4 Milliarden Euro. Die Stimmrechtsbeschränkungen bleiben bestehen.

HB WIEN. Der österreichische Energiekonzern OMV zieht einen Schlussstrich unter das jahrelange Werben um den ungarischen Wettbewerber MOL. OMV teilte am Montag mit, den Anteil von 21,2 Prozent an MOL für 1,4 Milliarden Euro an die russische Surgutneftegaz zu verkaufen.

OMV zieht damit die Konsequenz aus dem schon im vorigen Sommer gescheiterten Übernahmeangebot für MOL. Zehn Jahre bemühte sich das Unternehmen, die Ungarn zu schlucken. 1999 erwarben die Österreicher knapp zehn Prozent, 2007 stockten sie um weitere rund zehn Prozent auf. MOL stufte die Avancen von OMV stets als feindlich ein und bekam dabei sogar Unterstützung von Ungarns Regierung. Diese erließ ein Gesetz, das die Stimmrechte auf zehn Prozent beschränkte. Auch die Stimmrechte der Russen sind nach ungarischem Recht auf zehn Prozent beschränkt.

OMV wagte im September 2007 dennoch einen Vorstoß und machte den MOL-Aktionären ein Übernahmeangebot über 23 Milliarden Dollar. Doch letztlich mussten die Österreicher das Gebot zurücknehmen, weil die Europäische Union ein Monopol in der Donauregion fürchtete und harte Auflagen absehbar wurden. Raffinerien und Tankstellen hätten verkauft werden müssen.

Seitdem saß OMV auf einem Aktienpaket, dessen Wert sich massiv verringerte: Knapp fünf Milliarden Dollar waren die Aktien vergangenen Sommer wert, verkauft wurden sie nun für weit weniger als die Hälfte - zu einem Zeitpunkt, der überrascht. Schließlich hatte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer noch vergangene Woche in der Zeitschrift "Profil" erklärt, man wolle die Anteile zwar nicht ewig behalten, in diesem Jahr aber "noch durchaus".

Am Wiener Aktienmarkt wurde die Verkaufsnachricht gestern mit Kursgewinnen belohnt, die Titel von OMV zogen in einem schwachen Markt um bis zu fünf Prozent an. "Das Geld kann sicher anderswo besser investiert werden", sagte ein Händler.

Auch Analysten bewerten den Ausstieg positiv. Günter Artner von der Erste Group zufolge dürfte die Transaktion einen Gewinn von etwa 200 Millionen Euro eingebracht haben. Alfred Reisenberger, Chefanalyst bei Cheuvreux, ist der Ansicht, dass OMV pari ausgestiegen ist. "Es war klar, dass sie nach dem Scheitern der Fusion irgendwann aussteigen. Dass sie das jetzt tun und zu diesem Preis, ist sehr gut", sagte er. OMV brauche zwar nicht unbedingt Bares, bekomme aber Spielraum. Die Nettoverschuldung des Konzerns betrug Ende vergangenen Jahres 3,43 Milliarden Euro.

Einem OMV-Sprecher zufolge ist der Konzern etwa zum gleichen Preis ausgestiegen "wie wir in Summe gekauft haben", sagte er. Der erzielte Preis je MOL-Aktie war 19 212 Forint, das ist knapp das Doppelte des Schlusskurses vom Freitag.

Surgutneftegaz ist einer der größten russischen Öl- und Gaskonzerne. Bislang haben sich die Russen mit möglichen Zukäufen im Ausland sehr bedeckt gehalten.

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