Energie
RWE beendet das Abenteuer Belene

Der deutsche Versorger RWE will doch kein Kernkraftwerk in Bulgarien bauen. Der Konzern beendete seine Beteilgung am Gemeinschaftsprojekt mit der bulgarischen NEK. Arbeitnehmer, Aktionäre und Umweltschützer hatten vor dem Projekt gewarnt. Warum die Deutschen gerade jetzt aussteigen.
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DÜSSELDORF. RWE zieht sich aus dem bei Umweltschützern und im eigenen Unternehmen umstrittenen Projekt für ein neues Kernkraftwerk im bulgarischen Belene zurück. Nur ein knappes Jahr nach dem Einstieg in eine Projektgesellschaft hat der Energiekonzern seine Beteiligung gestern gekündigt. Er begründete dies mit der unsicheren Finanzierung des Milliardenprojekts. Mit den immer wieder von Kernkraftgegnern geäußerten Sicherheitsbedenken habe der Schritt aber nichts zu tun, betonte eine Sprecherin.

RWE hatte sich mit 49 Prozent an dem Projekt beteiligt, das ursprünglich vier Mrd. Euro schwer sein sollte, dessen Kosten aber inzwischen deutlich höher liegen. Nach Darstellung des Unternehmens sei mit dem Partner, der staatlichen bulgarischen Energiegesellschaft NEK fest vereinbart worden, dass bis Ende dieses Monats die Finanzierung geklärt sein müsse. Die Bulgaren hätten aber kein schlüssiges Konzept für ihren Anteil präsentiert.

Der Konzern teilte deshalb gestern nach einem abschließenden Gespräch dem Partner mit, dass er seine Beteiligung beende. Die stellvertretende Energieministerin Maja Hristova bestätigte den Eingang des Schreibens. Bulgarien will jetzt nach anderen Investoren suchen. In Konzernkreisen hieß es, RWE müsse lediglich die bisherigen Kosten in Höhe einer zweistelligen Millionensumme tragen.

Für RWE-Chef Jürgen Großmann war Belene lange Zeit ein Prestigeprojekt. Der entschiedene Verfechter der Kernenergie beteiligte sich entschlossen an der Ausschreibung des Projekts für eine 2 000 Megawatt starke Anlage. Während in Deutschland der Ausstieg aus der umstrittenen Technik beschlossen war, wollte er zumindest im Ausland ihren Anteil am Energiemix des Konzerns hoch halten.

Umweltschützer machten aber massiv Front gegen das Projekt, demonstrierten auf der Hauptversammlung und vor der Zentrale in Essen. Sie bemängelten die Sicherheit des geplanten Reaktors aus russischer Fabrikation und den Standort in einem Erdbebengebiet. Im Aufsichtsrat des Konzerns, bei Teilen der Arbeitnehmervertreter und der kommunalen Aktionäre, stießen sie auf offene Ohren. Wiederholt kam es in dem Gremium zum Streit, weil Großmann hartnäckig an dem Projekt festhielt.

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