Energie
RWE präsentiert sich krisenfester als Eon

Der Energiekonzern RWE hat zu Jahresbeginn sein Ergebnis verbessert. Der Umsatz stieg um 8,4 Prozent Prozent auf 14,5 Mrd. Euro, wie der DAX-Konzern in Essen mitteilte. Analysten hatten mit 13,6 Mrd. Euro gerechnet. Das betriebliche Ergebnis verbesserte sich um fünf Prozent auf 3,1 Mrd. Euro. Die Erwartungen lagen bei 2,5 Mrd. Euro. Damit übertraf der Versorger die Erwartungen von Experten.

DÜSSELDORF. RWE schlägt sich in der Wirtschaftskrise besser als Konkurrent Eon. Zwar muss auch Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern seinen Absatz an Industriekunden drosseln. Im Gegensatz zur Nummer eins auf dem Markt spiegelt sich das bei RWE aber noch nicht spürbar im Ergebnis wider.

Im ersten Quartal sank RWEs Stromabsatz an Industriekunden in Deutschland zwar um knapp zehn Prozent – und im Ausland ist die Entwicklung ähnlich, wie Finanzvorstand Rolf Pohlig gestern bei der Vorlage des Zwischenberichts einräumte. Aber das ist für den Konzern nach Pohligs Worten weitgehend unproblematisch, weil die Unternehmen so genannte Take-or-Pay-Verträge abgeschlossen hätten. Sie müssen selbst dann bezahlen, wenn sie die vereinbarten Mengen nicht abnehmen können. „Ein Rückgang des Absatzes bedeutet nicht gleich einen Rückgang des Ergebnisses“, erklärte Pohlig.

Konkurrent Eon hatte sich am Vortag noch anders geäußert. Auch beim Branchenführer ist der Absatz an Industriekunden um bis zu zehn Prozent eingebrochen. Er sieht aber auch schon einen deutlich negativen Effekt der Wirtschaftskrise auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), den Finanzvorstand Marcus Schenck mit rund 170 Mio. Euro bezifferte. Schenck verwies zum einen auf Forderungsausfälle, so sind alleine zwei Großkunden insolvent. Zum anderen müsse Eon Mengen, die man zur Absicherung von Lieferverpflichtungen eingekauft habe, zu niedrigeren Preisen wieder verkaufen.

„Ich sehe mich nicht in der Lage, so eine Zahl zu produzieren“, sagte dagegen RWE-Mann Pohlig. Zum einen sei es schwierig, den Effekt durch die Wirtschaftskrise zu isolieren. Zum anderen agiere RWE traditionell vorsichtig im Großhandel und habe sich am Terminmarkt gut abgesichert.

Im Gegensatz zu Eon steigerte RWE auch das Betriebsergebnis. Das Ebit verbesserte sich um fünf Prozent, während Eon ein Minus von fünf Prozent verzeichnete. RWE übertraf damit auch die Erwartungen der meisten Analysten. Zunächst reagierte die Aktie gestern mit Gewinnen, drehte dann aber in die Verlustzone. Das Ergebnisplus verdankt der Konzern schließlich vor allem einem hohen Gewinn des sehr volatilen Großhandelsgeschäft der Tochter Supply & Trading. Rechne man den Effekt heraus, wäre das Betriebsergebnis um sechs Prozent gesunken, schreibt Sal. Oppenheim.

Pohlig zeigte sich zuversichtlich, dass RWE die über neun Mrd. Euro teure Übernahme des niederländischen Versorgers Essent erfolgreich abschließt. Bereits 56 Prozent der Anteile seien verbindlich angedient worden. Darunter seien fünf der sechs Großaktionäre; die Provinzen Overijssel, Groningen, Limburg, Drenthe und Flevoland. Den größten Aktionär, Nord-Brabant, der 30,8 Prozent hält und dessen Parlament sich vor wenigen Wochen noch knapp gegen die Offerte entschieden hatte, hofft RWE nach Pohligs Worten mit verbindlich fixierten Investitionszusagen zu überzeugen. Heute wird das Parlament erneut debattieren.

Allerdings bleiben die Vorbehalte in den Niederlanden groß. Gestern sprach sich der Industrieverband VNO-NCW gegen einen Verkauf von Essent an einen ausländischen Konzern aus. Pohlig zeigte sich darüber verwundert. Wichtiger sei aber, dass RWE schon die Mehrheit der Aktionäre überzeugt habe.

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