Energie-Shopping
Stadtwerke ade

Mit der Billigtochter E-wie-einfach mischt der Energieriese Eon den Strom- und Gasmarkt auf. Lohnt sich der Wechsel? Ein Selbstversuch.

DÜSSELDORF. Ihre Stimme ist sanft und freundlich, ihre Botschaft eine Qual: „Unsere Beraterplätze sind immer noch besetzt. Bitte haben Sie einen Augenblick Geduld.“ Wertvolle Minuten verrinnen. Für den ungeduldigen Kunden dreht aber der Zähler unaufhaltsam seine Runden. Kubikmeter um Kubikmeter, Kilowattstunde um Kilowattstunde. Am Ende des Jahres die Totale: 3 040 Euro und 27 Cent für Strom und Erdgas für einen Vierpersonenhaushalt in einem Reihenhaus am Stadtrand. Und von Jahr zu Jahr fällt die Rechnung höher aus. Lässt sich die Preisspirale aufhalten?

Hilfe verspricht jetzt Branchenprimus Eon. „E macht Strom und Gas günstig. E-wie-einfach“, wirbt der Konzern für seine neue Tochter „E-wie-einfach“. Und der Energieriese trägt dick auf. Stets einen Cent günstiger als der örtliche Versorger will E-wie-einfach sein, beim Erdgas sogar zwei Cent. Zuverlässig, vertraglich abgesichert und jederzeit kündbar. „Wechseln Sie jetzt!“ Wer kann dieser Aufforderung widerstehen?

Also ein Selbstversuch: Alte Rechnungen rauskramen, Preise und Konditionen abfragen. Vergleichen. Um das Ergebnis gleich vorwegzunehmen: E-wie-einfach ist am Ende ziemlich kompliziert.

Noch sind „alle Beraterplätze besetzt“ – das Tonband dreht seine Schleife. Zeit für ein paar Fakten. Neun Jahre ist es her, dass der Strommarkt in Deutschland liberalisiert wurde. Seitdem können sich die Kunden ihre Lieferanten aussuchen. Wer in Berlin oder Konstanz wohnt, ist nicht mehr dem örtlichen Stadtwerk ausgeliefert – theoretisch jedenfalls.

Praktisch hat die Liberalisierung keine Wirkung. Ohne Steuern und Abgaben, das belegt eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney, ist der Strompreis seit 1998 fast unverändert. Brutto dagegen explodierten die Ausgaben für Stromkunden. Denn der Staat langt zu: Mehrwertsteuer, Stromsteuer, Umlage für die Wärme-Kraft-Kopplung. Macht ein Plus von 91 Prozent, rechnen die Berater vor. Zehn Milliarden Euro fließen zusätzlich in die Staatskasse.

Gewechselt haben trotzdem nur wenige ihren Lieferanten. Anfangs legten die etablierten Versorger abtrünnigen Kunden Steine in den Weg, verlangten Wechselgebühren, drohten, die Leitung abzuklemmen. Und viele Geschäftsmodelle der jungen Stromrebellen erwiesen sich als fragwürdig. Die Super-Billig-Anbieter sind vom Markt verschwunden.

Selbst Yello, der bekannteste unter den so genannten Billigstrom-Verkäufern, hat gerade mal 1,2 Millionen Kunden. Nach Branchenschätzungen machten sich nicht einmal fünf Prozent aller Stromverbraucher die Mühe, Verträge mit einem anderen Lieferanten abzuschließen. Entweder waren sie zu bequem, oder es war ihnen zu riskant. Manchmal rechnete es sich auch nicht. In Düsseldorf beispielsweise läuft Yello außer Konkurrenz. Die Tochter des Stromkonzerns EnBW ist schlichtweg zu teuer. Ob das daran liegt, dass EnBW Aktionär der Stadtwerke Düsseldorf ist?

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