Energie
Versorger bangen um Klimaprojekte

Eon und RWE wollen mehr Zertifikate in Entwicklungsländern generieren. Ganz selbstlos ist das nicht. RWE verdient sich damit Gutschriften, mit denen die Belastung durch den Kauf von Emissionsrechten gesenkt werden können. Das Vorhaben stößt auf Kritik.
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DÜSSELDORF. Eine große Zahl von Haushalten in Sambia sollen bis Ende kommenden Jahres moderne Herde bekommen. Diese Kochsysteme werden nicht mehr wie im Süden Afrikas üblich mit Holzkohle, sondern mit dünnen Holzstöcken effizient befeuert. Nachwachsende Biomasse ersetzt die umwelt- und gesundheitsschädliche Holzkohle. Zudem benötigen die modernen Herde weniger Brennstoff. Für die vermutlich 300 000 Anwender sinken also die Energiekosten - und das Klima wird bis 2020 um 1,5 Mio. Tonnen CO2 entlastet.

Finanziert wird das Projekt vom deutschen Energiekonzern RWE. Der macht das aber nicht uneigennützig: Er verdient sich damit Gutschriften, mit denen er die Belastung durch den Kauf von Emissionsrechten senken kann.

Das Kyoto-Protokoll, das 1997 beschlossen wurde und bis 2012 gilt, um den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, hat zwei flexible Instrumente vorgesehen, um Klimaschutzprojekte weltweit voranzubringen: Joint Implementations (JI) und den Clean Development Mechanism (CDM). Während der Emissionshandel im geschlossenen System der Europäischen Union rege läuft, können sich Unternehmen in beschränktem Maße durch Investitionen in einem anderen Industrieland (JI) oder in Entwicklungs- und Schwellenländern (CDM) Gutschriften besorgen.

Mit bangem Blick schauen die Chefs von Eon und RWE, Wulf Bernotat und Jürgen Großmann, nach Kopenhagen, wo gerade über ein Nachfolgeabkommen für Kyoto verhandelt wird. Sie hoffen, dass dort die Möglichkeit des weltweiten Emissionshandels verbessert wird: "Der Klimawandel macht nicht vor Ländergrenzen halt", sagt Großmann. In Kopenhagen müsse der Weg für ein neues Klimaschutzabkommen geebnet werden, das CDM und JI wieder einbinde.

Großmanns Problem: Bislang sind die Mengen an Gutschriften, die von der EU-Kommission anerkannt werden, beschränkt. Eine Ausweitung ist nicht geplant. Bis 2020 darf sich RWE Gutschriften für 100 Mio. Tonnen CO2 besorgen, 70 Mio. hat der Konzern schon jetzt über CDM-Projekte identifiziert.

Für die Versorger ist der wirtschaftliche Druck hoch, nach Möglichkeiten zu suchen, die die Belastungen aus dem Emissionshandel gering halten. RWE stößt schließlich pro Jahr 170 Mio. Tonnen des Treibhausgases CO2 aus - und ist damit europäischer Spitzenreiter. Auch Eon gehört mit 100 Mio. Tonnen in die Spitzengruppe.

Schon jetzt bekommen die Unternehmen in den Staaten, in denen sie tätig sind, nur noch einen Teil der nötigen Zertifikate kostenlos zugeteilt. Bei RWE sind es rund 60 Prozent, bei Eon 70 Prozent. Den Rest an Emissionsrechten müssen sie zukaufen. Das kostet jedes Jahr hunderte von Mio. Euro, auch wenn die beiden Konzerne versuchen, ihren eigenen CO2-Ausstoß zu reduzieren.

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