Energie-Wende
RWE könnte Netztochter bald verkaufen

Mit milliardenschweren Beteiligungsverkäufen will RWE auf die Belastungen durch die Energie-Wende reagieren. Schon im Juni könnte der Energieriese seine Netztochter Amprion verkaufen.
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DüsseldorfDer Energieriese RWE könnte den Mehrheitsanteil an seiner Netztochter Amprion Finanzkreisen zufolge noch im Juni verkaufen. Favorit für eine Übernahme des 75-prozentigen Anteils zu einem Preis von rund einer Milliarde Euro seien von der Commerzbank-Tochter Commerz Real geführte Investoren aus der Finanzwirtschaft, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus Finanzkreisen. Die finanziellen Details seien weitgehend geregelt, nun müssten noch juristische Einzelheiten geklärt werden, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. RWE und die Commerzbank wollten sich nicht äußern. RWE forciert wegen der von der Bundesregierung angepeilten Energiewende den Konzern-Umbau. Die großen deutschen Versorger stehen wegen des beschleunigten Atomausstiegs vor großen Herausforderungen.

Gegen die Brennelementesteuer legte der Konzern am Mittwoch einer Sprecherin zufolge Klage ein. RWE wie auch Konkurrent Eon sehen die Atom-Steuer als rechtswidrig an. Mit der Abgabe will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von den vier AKW-Betreibern - neben Eon und RWE sind dies EnBW und Vattenfall - jährlich insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro kassieren. Doch nicht nur um diese Einnahmen muss Schäuble fürchten. Eon-Chef Johannes Teyssen hat wegen der Pläne der Bundesregierung zum Atom-Ausstieg bereits eine Entschädigung in Milliardenhöhe verlangt. Eon erkenne zwar den politischen Mehrheitswillen an, hatte der Düsseldorfer Konzern erklärt. „Gleichzeitig erwartet das Unternehmen natürlich den gebotenen Ausgleich für den mit diesen Entscheidungen verbundenen Vermögensschaden in Milliardenhöhe.“

Die 2010 beschlossene Brennelementesteuer hatten alle vier Konzerne umgehend scharf kritisiert. Nach der Abschaltung der alten Meiler fällt diese mit jährlich etwa 1,3 Milliarden Euro zwar rund eine Milliarde Euro geringer aus als ursprünglich geplant. Die Versorger hatten aber gehofft, dass sie ganz gekippt wird. Gegen die Steuer wurde nun vor dem Finanzgericht München eine Klage eingereicht, sagte eine RWE-Sprecherin.

RWE will aber auch mit milliardenschweren Beteiligungsverkäufen auf Belastungen durch die Energie-Wende reagieren. Unter anderem steht die deutsche Netz-Tochter Amprion zur Disposition. Sie betreibt das 11.000 Kilometer lange Hochspannungsnetz, das mehr als 25 Millionen Kunden in West- und Süddeutschland mit Strom versorgt. RWE will das Netz den Kreisen zufolge aber weiter betreiben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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