Energie
Zukäufe machen Eon zu schaffen

Eon-Chef Wulf Bernotat hat bei seiner Expansion in neue Märkte einen zu hohen Preis bezahlt. Der Energiekonzern muss 3,3 Milliarden Euro auf Auslandstöchter in Italien, Frankreich, Spanien und den USA abschreiben.

DÜSSELDORF. Eon-Chef Wulf Bernotat hat bei seiner Expansion in neue Märkte einen zu hohen Preis bezahlt. Wie der Energiekonzern gestern mitteilte, muss er den Wert seiner erst im vergangenen Sommer für 11,5 Mrd. Euro übernommenen Töchter in Italien, Frankreich und Spanien um 1,8 Mrd. Euro nach unten korrigieren. Zudem muss Eon auch den Wert seiner US-Tochter um 1,5 Mrd. Euro berichtigen, insgesamt schrieb der Konzern damit 3,3 Mrd. Euro ab. Gleichzeitig nannte Eon gestern Eckpunkte des angekündigten Sparprogramms. Von diesem verspricht sich Bernotat einen positiven Effekt auf Kosten und Gewinn von 1,5 Mrd. Euro jährlich.

Eon reagiert mit den Ankündigungen auf schwierigere Rahmenbedingungen. Die Wirtschaftskrise setzt auch Deutschlands größtem Energiekonzern zu. Die Konjunkturschwäche dämpft die Wachstumsaussichten in allen Märkten, besonders aber in den USA. Gleichzeitig steht Eon zunehmend unter Druck, weil der Wettbewerb auf dem Energiemarkt in Schwung kommt und die Kartellbehörden die Gewinne beschneiden. Dies setzt allen Versorgern zu: Gestern äußerte sich auch der deutsche Konkurrent Energie Baden-Württemberg (EnBW) pessimistisch zum laufenden Jahr. Der Gewinn werde nur auf dem Vorjahresniveau liegen und der Stromabsatz sinken, hieß es.

Eon hat aber auch hausgemachte Probleme. Deutschlands Branchenführer hatte in neuen Märkten zugegriffen, als der Fusionswettlauf die Preise auf einen Rekordwert getrieben hatte. Zunächst sicherte er sich im Übernahmekampf um die spanische Endesa neue Tochtergesellschaften in Spanien, Italien und Frankreich, wenig später kaufte er für 4,6 Mrd. Euro einen Stromproduzenten in Russland. Dadurch trieb Eon die Verschuldung in die Höhe.

Jetzt, in der Finanzkrise, drücken den Konzern höhere Kapitalkosten. Der Zinssatz, den Eon für sein eingesetztes Kapital als Kosten kalkuliert, hat sich um 0,4 Prozenpunkte auf 6,7 Prozent erhöht.

Zudem haben sich die Wachstumsaussichten in den ehemaligen Endesa-Märkten bereits deutlich eingetrübt. Besonders Italien macht Eon Sorgen. Dort ist unter anderem der Unternehmenssteuersatz gestiegen, die Inbetriebnahme von Kraftwerken verzögert sich.

Eon ist nach den internationalen Rechnungslegungsvorschriften gezwungen, zumindest einmal jährlich den Wert seiner Beteiligungen zu überprüfen und schrieb jetzt auf die ehemaligen Endesa-Töchter und die US-Gesellschaft insgesamt 3,3 Mrd. Euro ab. Keinen Bedarf sieht der Konzern dagegen in Russland. Dort glaubt er nach wie vor an seine Wachstumsprognosen

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