Energiebranche
„Das ganze Thema Netzausbau wird total dramatisiert“

Offshore-Windparks bleiben trotz Energiewende umstritten. Der mittelständische Windkraftpionier Willi Balz über Milliardeninvestitionen, die Konkurrenz der großen Energiekonzerne und seinen Optimismus beim Netzausbau.
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DüsseldorfHerr Balz, große Energiekonzerne wie RWE klagen über Probleme bei ihren Offshore-Windparks. Wie wollen Sie als Mittelständler in dem Milliardengeschäft mitmischen?

Balz: Die Windreich AG war eine der ersten, die in Offshore-Windparks investiert hat. Wir besitzen drei Genehmigungen inklusive der dazugehörigen Netzanschlüsse sowie eine Pipeline mit insgesamt 22 Projekten in der Nord- und Ostsee. Damit sind wir die größten Projektentwickler in Deutschland für Windparks im Meer.

Sie setzen also auf Ihre Erfahrung?

Ja, ich bin Ingenieur und habe schon in den neunziger Jahren viele Windparks an Land gebaut. Als ich die 2006 verkaufte, habe ich die Verkaufserlöse konsequent in Offshore-Windkraftprojekte investiert.

Ihre Genehmigungen sind zwar schön. Aber damit haben Sie noch kein Windrad errichtet.

Wir haben gerade begonnen, die Fundamente für unser erstes Projekt Global Tech I zu setzen. Das ist weltweit der erste Offshore-Windpark mit pünktlichem Baubeginn. Der Park wird über eine Million Menschen mit sauber erzeugtem, bezahlbarem Strom versorgen. Für zwei weitere Projekte haben wir bereits die unbedingte Netzanschlusszusage und sind damit in einem sehr konkreten Planungsstadium. Die Parks werden 2014 und 2015 wie angekündigt ans Netz gehen.

Die Investitionen von zwei Milliarden Euro sind kein Problem?

Natürlich ist die Finanzierung für uns ein gewaltiger Kraftakt. Global Tech I kostet 1,85 Milliarden Euro. Davon entfallen gut eine Milliarde Euro auf die Projektfinanzierung. Aber die haben wir schon in der Zeit vor dem Reaktorunfall von Fukushima mit Hilfe der europäischen Investitionsbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW gestemmt.

Damit fehlen Ihnen von den 1,85 Milliarden immer noch 800 Millionen Euro. Woher kommen die?

Diese hatte ich schon zuvor mit sechs Investoren aus Süddeutschland und der Schweiz bereitgestellt. Dazu gehört die Familie Meltl, die ehemaligen Eigentümer von Bavaria Yachtbau. Auch Windreich selbst ist bis heute mit gut 14 Prozent beteiligt.

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  • Mit seiner Aussage zur Dramatisierung des Netzausbaus spricht er klare Worte. Die meisten vergessen immer wieder die Arbeiten und Akteure zu hinterfragen.

    Als die Deutsche Energie-Agentur 2011 die Netzstudie II vorlegte, erhielt man ein 564 Seiten starkes Werk.
    Dort wurden ganze 10 Seiten für die nach Meinung der Autoren verfügbaren Speichertechnologien gewidmet.
    Die synthetische Erzeugung von Methan – eine Anlage wird 2013 an den Autokonzern AUDI geliefert - findet überhaupt keine Erwähnung.

    Für die Umsetzung einer Energiewende bis 2020 ging die DENA von 17,9 Gigawatt Photovoltaikstrom aus, zur gleichen Zeit rechnete die Bundesregierung jedoch mit 52 Gigawatt. Die meisten Photovoltaikanlagen stehen verbrauchernah im Süden von D, wo die Sonne schön scheint und kein großer Netzausbau notwendig ist.
    Wer jedoch von nur 17,9 Gigawatt Photovoltaikstrom ausgeht und eine Energiewende will, braucht viel Windstrom vorzugsweise von der Küste und viele neue Leitungen.

    Nach meinem Kenntnisstand sind:

    Autoren aus dem Bereich Speichertechnik: keiner
    Unabhängige Wissenschaftler: 14
    Mitarbeiter von Netzbetreibern: 29

    Ein Schelm ist, wer da böses denkt!

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