Energiebranche
Eon bewahrt in Russland die Ruhe

Vor zwei Jahren hat Eon die Kontrolle über den sibirischen Stromproduzenten OGK-4 übernommen und dafür rund 4,6 Milliarden Euro bezahlt - doch die Beteiligung hat wegen des Zusammenbruchs des russischen Aktienmarkts drastisch an Wert verloren. Der Energiekonzern will nun die Profitabilität der Stromtochter trotz der Wirtschaftskrise verbessern.

SURGUT/MOSKAU. Der Energiekonzern Eon kämpft weiter mit der Profitabilität seines Engagements im russischen Stromsektor: Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise und des gesunkenen Strombedarfs im Land verschiebt der Düsseldorfer Konzern den Start eines mit Kohle befeuerten neuen Kraftwerkblocks um ein Jahr auf 2013. Nach Aussage des zuständigen Eon-Vorstands Lutz Feldmann versucht das Management gleichzeitig in Gesprächen mit der russischen Regierung Regeln festzulegen, wie die ausländischen Investoren in absehbarer Zeit ihre Investitionen wieder herein holen können.

Vor zwei Jahren hatte Eon im Zuge der Zerschlagung des staatlichen Strommonopolisten RAO UES die Kontrolle über den sibirischen Stromproduzenten OGK-4 übernommen und dafür 4,6 Mrd. Euro bezahlt. Mit dem Einstieg hatte sich der deutsche Versorger auch verpflichtet, in die veralteten Kraftwerke zu investieren und neue Kapazitäten aufzubauen - bis 2013 sollen rund 2,3 Mrd. Euro nach Russland fließen. Die Regierung hatte den ausländischen Investoren, darunter Enel und Fortum, im Gegenzug zugesichert, den russischen Strommarkt wie geplant zu liberalisieren - was ihnen hohe Preise und hohe Erträge garantieren soll.

Die Beteiligung hat aber wegen des Zusammenbruchs des russischen Aktienmarktes stark an Wert eingebüßt. Seit Beginn des vergangenen Jahres haben die Papiere von OGK-4 über die Hälfte verloren. Anlaufschwierigkeiten bei der Integration des russischen Versorgers sowie die ungeklärte Frage, ob und wann Eon die Früchte der Investition ernten kann, hatten auch intern für Kritik gesorgt. Im ersten Halbjahr 2009 lieferte die russische Stromtochter ein Ebit von gerade einmal 34 Mio. Euro. Das stehe noch in keiner Relation zu den hohen Investitionen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Während der Konzern im Frühjahr Abschreibungen auf andere Zukäufe in Spanien, Frankreich und Italien vornahm, wehrt er sich in Russland aber bislang dagegen. Eon-Vorstand Feldmann gibt sich vielmehr weiter optimistisch: "Bisher hat sich die russische Regierung an den beschlossenen Zeitplan für die Privatisierungen gehalten." Der Plan sieht die vollständige Liberalisierung des Geschäftskundenmarktes für Elektrizität bis 2011 vor. Inzwischen ist dieser zu 50 Prozent "frei". Im Gegensatz zu Deutschland, wo rund ein Drittel des Stromverbrauchs von privaten Haushalten bestritten wird, liegt deren Anteil in Russland nur bei zehn Prozent. Dieses Marktsegment will die Regierung aus politischen Gründen auch weiter regulieren, um die Preise niedrig zu halten.

Eon hofft nach Aussage von Feldmann darauf, in sieben bis zehn Jahren die Investitionen wieder hereinholen zu können. Voraussetzung ist aber, dass es zu einer Einigung mit der Regierung darüber kommt, wie die Investoren ihre Kosten für die neu aufgebauten Anlagen decken können. Die ausländischen Investoren wollen die Kosten für neue Anlagen stärker in die Strompreise einberechnen, als sie das derzeit dürfen. Langfristig werde der russische Strommarkt, einer der größten der Welt, aber "überdurchschnittlich" wachsen, und damit die Nachfrage nach neuen Kapazitäten, erwartet Feldmann.

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