Energiebranche
Eon rutscht nun doch in die Krise

Gleich um 26 Prozent konnte Eon im vergangenen Jahr seine Erlöse steigern. Auch beim Gewinn legte der Energiekonzern zu. Aber am Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Der Versorger musste die Prognose senken. Die Aktie geht auf Talfahrt.

DÜSSELDORF. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat nun auch Deutschlands größten Energiekonzern Eon voll erwischt. Konzernchef Wulf Bernotat reduzierte die Prognosen für die kommenden zwei Jahre überraschend deutlich, kürzte die Investitionsplanungen und will Aktivitäten verkaufen. An der Börse stürzte die Eon-Aktie zwischenzeitlich um über acht Prozent ab.

Analyst Bernhard Jeggle von der LBBW sprach von einer „klaren Enttäuschung“. Merrill Lynch bezeichnete die Prognosen als „ernüchternd“. Sie lägen deutlich unter den Markterwartungen. Zahlreiche andere Analysten senkten ihre Einstufungen der Aktie ab.

Eon rechnet für dieses Jahr nur noch mit einer Stagnation des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) und beim um Sondereffekte bereinigten Überschuss sogar mit einem Rückgang um zehn Prozent. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008 war das Ebit noch um sieben Prozent auf knapp zehn Mrd. Euro gestiegen und der bereinigte Überschuss um neun Prozent auf 5,6 Mrd. Euro. Für 2010 kalkuliert der Konzern nur noch mit einem Ebit von elf Mrd. Euro. Bislang lag die Zielgröße bei 12,4 Mrd. Euro.

Der Markt reagierte auf Eons pessimistische Einschätzung besonders sensibel, weil der Energiekonzern die Anleger in den vergangenen Jahren mit üppigen Gewinnzuwächsen verwöhnte. Zudem gilt die Branche als vergleichsweise konjunkturresistent. Der Strom- und Gasverbrauch reagiert in der Regel stärker auf die Witterung als auf Konjunkturschwankungen. Die aktuelle Krise ist aber so heftig, dass Bernotat mit einer sinkenden Nachfrage durch Industriekunden rechnet, weil reihenweise Unternehmen ihre Produktion drosseln. In einzelnen Industriezweigen sei der Absatz um 20 Prozent gesunken. Die Krise gehe deshalb nicht spurlos an Eon vorbei, sagte Bernotat: „Sie betrifft viele unserer Kunden und wirkt sich sichtbar auf Nachfrage und Energiepreise aus.“

Er ist dabei pessimistischer als der Chef von Konkurrent RWE, Jürgen Großmann, der die Auswirkungen vergleichsweise gelassen sieht. Dieser hatte die Mittelfristziele seines Unternehmens jüngst sogar noch hochgesetzt.

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