Energiebranche
EWE gibt im Osten nicht auf

Norddeutsche stehen zu ihrem Wort. Das glaubt zumindest der Chef des Energieversorgers EWE Werner Brinker. Im Streit um die Kontrolle des ostdeutschen Gasgroßhändlers VMG will er deshalb Kurs halten. "Wer darauf hofft, dass wir uns zurückziehen, der irrt", sagte Brinker

DÜSSELDORF. Der Chef des Energieversorgers EWE, Werner Brinker, gibt sich im Streit um die Kontrolle des ostdeutschen Gasgroßhändlers Verbundnetz Gas (VNG) kämpferisch. "Wer darauf hofft, dass wir uns zurückziehen, der irrt", sagte Brinker im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Notfalls führen wir das Unternehmen auch noch länger als Finanzbeteiligung weiter."

Seit eineinhalb Jahren tobt ein Machtkampf um die VNG, dem nach eigenen Angaben drittgrößten deutschen Gasimporteur. Die EWE, die knapp 48 Prozent der Anteile hält, verlor die Kontrolle, als die zweitgrößte Aktionärsgruppe die Zusammenarbeit kündigte. Die zwölf ostdeutschen Kommunen, die über die VNG Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft (VUB) zusammen 26 Prozent halten, sind sich aber ebenfalls nicht einig. Im kommenden Jahr hat EWE zudem Vorkaufsrechte auf diese Anteile. Jena hatte den Verkauf seiner Beteiligung vereinbart, wurde aber von einem Gericht daran gehindert und hat jetzt dagegen Berufung eingelegt. Auch Halle erwägt einen Verkauf. Die VUB hat ihrerseits den Konsortialvertrag mit EWE gekündigt, wogegen EWE und Jena vorgehen.

Grund für das Zerwürfnis sind Vereinbarungen, die 2003 beim Einstieg der EWE getroffen worden waren. Die Kommunen werfen dem Versorger vor, die VNG nicht wie versprochen strategisch voranzubringen. EWE pocht auf den Konsortialvertrag und die darin vereinbarten Rechte. Damals hatten die Niedersachen die ostdeutschen Kommunen nach eigenen Angaben bei einer Kapitalerhöhung mit 100 Mio. Euro unterstützt.

"Norddeutsche stehen zu ihrem Wort", sagt EWE-Chef Brinker. Und es sei doch verständlich, dass EWE dafür Rechte einfordere. Brinker fühlt sich als Opfer einer Ost-West-Kampagne und weist die Vorwürfe der Kommunen zurück: "Es gibt keinen Konflikt um die Strategie, im Gegenteil, die Langfriststrategie bis 2020 ist in einem Papier festgezurrt, und das haben 2006 nicht nur wir, sondern auch die Kommunen und der VNG-Vorstand erarbeitet." Es sei klar definiert, in welchen Märkten sich die VNG engagieren solle. Sie soll sich vom reinen Händler weiterentwickeln, sich in der Produktion und im In- und Ausland im Vertrieb engagieren. "Der Vorwurf, wir würden die Entwicklung blockieren, ist schlichtweg falsch", sagt Brinker. Trotz des Streits trage EWE im Aufsichtsrat alle Expansionsschritte mit. EWE sei auch stark genug, um etwa eine Kapitalerhöhung mitzutragen.

Seite 1:

EWE gibt im Osten nicht auf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%