Energiebranche
Glaubwürdigkeit gesucht

Was kostet eigentlich Glaubwürdigkeit? Auf jeden Fall 11,5 Mill. Euro für zwei Jahre, wahrscheinlich aber noch einmal sechs Mill. Euro. Das glaubt zumindest der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die Branchenvertretung will das angekratzte Image der deutschen Strom- und Gasunternehmen aufpolieren - und plant eine teure Imagekampagne.

DÜSSELDORF. Ein dreistufiges Kommunkationskonzept soll die Öffentlichkeit elektrisieren, eine "breit angelegte Glaubwürdigkeitsoffensive" aus wütenden Kunden überzeugte Kunden machen. Weg vom Abzocker-Image lautet die simple Devise.

Und weil es keine Zeit zu verlieren gibt, sollen die Mitglieder des BDEW -Vorstands im Umlaufverfahren die Millionen locker machen. Nach der "reinen Preisdiskussion" 2005 und einer "preis-fixierten Wettbewerbsdiskussion" sei die Branche schließlich 2007 in eine "Glaubwürdigkeitskrise" geschliddert, wie die Beschlussvorlage, die dem Handelsblatt vorliegt, nüchtern analysiert.

Stimmt, seit drei Jahren steht die Branche nun schon am Pranger wie keine Zweite. Die Volksseele kocht wegen steigender Strom- und Gaspreise, die Politik klagt über mangelhaften Wettbewerb, und die Kartellbehörden überziehen die Versorger mit immer neuen Verfahren. Die Branche verliere die "Deutungshoheit" bei den eigenen Themen, heißt das im gestelzten BDEW -Deutsch. Die "emotionale Erwartungshaltung der Öffentlichkeit könne durch Presse- und Informationsarbeit allein nicht bedient werden. Die bisherigen Instrumente reichten nicht aus. Dabei hatte man sich doch für kleine Versorger eigens einen "Werkzeugkasten" ausgedacht. Alles umsonst. "Wo Emotionen herrschen, kommt man allein mit sachlichen Informationen nicht weiter", lautet die bittere Erkenntnis.

Mit neuem Elan will die Branche jetzt die "Meinungsbildungskompetenz" wiedererlangen. Zunächst fusionierten die zersplitterten Einzelverbände zum BDEW, die Konzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW wollen Ex-McKinsey -Chef Jürgen Kluge als Präsidenten installieren - der ist ja schließlich nicht vorbelastet, wird die zweifelnden Verbraucher schon überzeugen. Vor allem aber soll die "emotionale Ansprache der Öffentlichkeit verstärkt werden", heißt es im BDEW -Papier.

Und das wird sauber budgetiert: Für die "Sicherung der Handlungsfähigkeit" werden 2008 und 2009 je 0,5 Mill. Euro veranschlagt, für den "Ausbau der Diskursfähigkeit" je fünf Mill., und für die Ausschreibung der neuen "emotionalen Kampagne" zunächst 0,5 Mill. Euro. Die "Durchführung der Glaubwürdigkeitsoffensive" würde dann noch einmal sechs Mill. Euro kosten. Der Verbraucher wird doch wohl ein Einsehen haben.

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