Energiebranche
Großmann will RWE-Stromnetze nicht verkaufen

Der Essener Energiekonzern RWE hält trotz des zunehmenden Drucks der EU-Kommission an seinen Stromnetzen fest. Der Aufsichtsrat habe über die Frage grundsätzlich beraten und sich gegen den Verkauf ausgesprochen, sagte Vorstandschef Jürgen Großmann. Es sei auch nicht absehbar, dass sich diese Haltung ändere.

HB DÜSSELDORF. „Wir wollen unsere Netze strategisch für unseren Unternehmenserfolg einsetzen“, sagte Großmann am Mittwochabend in Essen auf einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf.

Der Konkurrent Eon hatte kürzlich überraschend den Verkauf seines Höchstspannungsnetzes in Deutschland angekündigt. Der Konzern will damit Kartellverfahren der EU-Kommission beilegen. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes fordert eine Zerschlagung von Energieriesen wie RWE und Eon. Sie verspricht sich von einem Verkauf der Netze mehr Wettbewerb. Am Dienstag hatte sich der Industrieausschuss des Europäischen Parlaments hinter die Forderung gestellt. Deutschland, Frankreich und sechs weitere Staaten lehnen dies jedoch vehement ab.

Für eine drohende Kartellstrafe gegen RWE durch die EU-Kommission habe er keine Anzeichen, sagte Großmann. „Ich habe von Neelie Kroes nichts vernommen, weder auf der Gas- noch auf der Stromseite.“ Er sehe daher keinen Grund, das Geschäftsmodell von RWE in vorauseilendem Gehorsam zu verändern. „Eine Enteignung wird es ja so schnell nicht geben. Wir sind eine deutsche AG und unterstehen deutscher Gerichtsbarkeit.“

Der RWE-Chef schloss allerdings nicht aus, dass sich die ablehnende Haltung zu einem Verkauf der Netze ändern könne. Wenn der Konzern keine Verfügungsgewalt mehr über die Netze habe und diese nur niedrige Renditen brächten, könne sich die Frage neu stellen. „Jede Entscheidung im Wirtschaftsleben gilt für eine gewisse Zeit und muss überprüft werden.“ RWE sehe aber im Moment keinen Grund, präventiv zu handeln.

Nach Einschätzung Großmanns könnten die Stromnetze bei Investoren durchaus auf Interesse stoßen. „Es gibt ganz klare Interessen von bestimmten Netzbetreibern, zu expandieren und sich auch deutsche Netze einzuverleiben.“ Für RWE sei das aber gegenwärtig kein Thema. „Wir verhandeln im Moment mit niemanden. Es hat uns auch niemand ein Angebot gemacht.“

Als Interessenten für deutsche Stromnetze werden in Finanzkreisen auch die britischen Beteiligungsfirmen 3i und Terra Firma sowie die Deutsche-Bank-Tochter Rreef und die australische Bank Macquarie genannt. Der Allianz-Konzern hat der „Financial Times Deutschland“ zufolge Interesse an dem Kauf des Eon-Netzes. Bei RWE sitzt Allianz-Vorstandsmitglied Paul Achleitner im Aufsichtsrat und war daher an den Beratungen zur Stromnetzfrage beteiligt.

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