Energiebranche
Mehr Konkurrenz für EDF

Frankreich plant, seinen abgeschotteten Strommarkt zu öffnen. Ex-Monopolist EDF soll einen Teil seiner Atomstromkapazitäten zu einem vom Staat festgelegten Preis an die Konkurrenten verkaufen. Auch ein Teil der regulierten Tarife soll verschwinden. Der Druck der EU- Kommission hilft.
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PARIS. Anfang nächsten Jahres soll das Parlament in Paris eine umfassende Reform verabschieden. Das Projekt mit dem Namen Nome (Nouvelle Organisation du marché d'electricité) hat zwei Kernpunkte: Zum einen soll Ex-Monopolist EDF einen Teil seiner Atomstromkapazitäten zu einen vom Staat festgelegten Preis an die Konkurrenten verkaufen. Zum anderen soll ein Teil der regulierten Tarife ab 2015 verschwinden.

Mit der Reform reagiert Frankreich auf zunehmenden Druck der EU-Kommission. Denn obwohl Frankreichs Energiemarkt formal seit Juli 2007 geöffnet ist, beherrscht EDF nach wie vor den Markt. Laut Ener-gieregulierer CRE hält das Staatsunternehmen noch 90 Prozent Marktanteil, bei Privatkunden sind es gar 94 Prozent. Daher hat sich Premierminister Fillon im Herbst schriftlich gegenüber der EU-Kommission verpflichtet, den abgeschotteten Markt endlich zu öffnen, um einem Vertragsverletzungsverfahren zu entgehen.

Heikle Verhandlungen

EDF soll daher an seine Wettbewerber am abgeschriebenen Park der 58 Atomkraftwerke teilhaben lassen. "Am heikelsten sind dabei die Verhandlungen über den Preis", so ein Brancheninsider. Laut Industriekreisen verlangt EDF mindestens 46 Euro pro Megawattstunde (MWh), um Geld dafür zu haben, seine Atommeiler in Stand zu halten und um ein Drittel der Kraftwerke so umzurüsten, dass sie 60 statt 40 Jahre im Betrieb bleiben dürfen. Einige Wettbewerber fordern indes einen Preis von nur 34 Euro je MWh; das entspräche dem staatlich regulierten Preis, zudem Privatleute heute Strom beziehen.

"Letztlich wird der Preis vom Staatspräsidenten selbst festgelegt werden", vermutet ein Wettbewerber. Antoine Maitrot, Energie-Spezialist des Brokers Exane BNP-Paribas, rechnet damit, dass der Strompreis für die Kapazitäten progressiv steigen wird "um sich dem Zielwert der EDF anzunähern."

EDF will zum Preispoker keine Angaben machen. "Der Preis muss hoch genug sein, um nötige Investitionen bezahlen zu können", erklärte ein Sprecher lediglich. Außerdem will EDF durchdrücken, dass der Kapazitätsverkauf zeitlich und vom Volumen her befristet sein soll. Der designierte Konzernchef Henri Proglio hat bereits seinen Widerstand gegen die Reform angekündigt.

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