Energiebranche
Russland lockt Stromkonzerne

Die Reform des russischen Strommarktes zieht westliche Versorger an. Unternehmen wie Enel und Endesa versprechen sich gute Geschäfte. Deutsche Konzerne wie Eon halten sich hingegen noch etwas zurück.

MOSKAU / MAILAND. Beim Chef des staatlichen russischen Stromkonzerns RAO Unified Energy Systems (UES), Anatolij Tschubais, drücken sich derzeit die Manager aus Westeuropa die Klinke in die Hand. Nach Endesa-Boss Rafael Miranda hat jetzt hat auch Fulvio Conti, Chef des italienischen Enel-Konzerns, dem Herrn über das marode Stromnetz Russlands seine Aufwartung gemacht. Conti habe das Interesse Enels an einer strategischen Investition bekundet, sagte ein UES-Sprecher nach dem Treffen.

Enel will mindestens die Sperrminorität an einer der jetzt zur Privatisierung anstehenden Kraftwerksgesellschaften erwerben. Der italienische Versorger hatte kürzlich angekündigt, bis zu vier Mrd. Euro in Russland investieren zu wollen. Man rechne sich gute Chancen aus, in Russland zu Zuge zu kommen, heißt es in Unternehmenskreisen.

Mit der teilweisen Privatisierung der Stromerzeugung will Russland den eklatanten Mangel an Elektrizität in den Griff bekommen: Dieser bremst schon heute die Wirtschaftsentwicklung des Landes. Die Regierung fürchtet, dass es auch in diesem Winter zu Versorgungsengpässen kommen könnte.

Im Juni hatte Energieminister Wiktor Christenko eingeräumt, dass im kommenden Jahr nur noch zehn Prozent der erforderlichen neuen Anschlüsse gelegt werden könnten. Der Minister bezifferte die bis 2010 benötigten Investitionen auf 57 Mrd. Euro. Etwa die Hälfte sollen die Kraftwerks- und Netzgesellschaften selbst aufbringen, den Rest private Investoren und der Staat. Zu Wochenbeginn hat UES angekündigt, Anfang Dezember über die Privatisierung von zwei Kraftwerksgesellschaften zu entscheiden.

UES plant, insgesamt fünf ihrer 21 neu gebildeten Gesellschaften auszugliedern, darunter auch drei Stromgroßhändler. Dem Konzern soll dies dringend benötigte 5,3 Mrd. Euro in die Kassen spülen. Bei den Ausschreibungen geht es den Russen nicht nur ums Geld, sondern auch um Konzepte zur Steigerung der Energieeffizienz. Gut die Hälfte der für den privaten Verbrauch generierten Wärme geht aufgrund maroder Leitungen und schlechter Isolierung verloren.

Seit den 90er-Jahren laufen bereits Überlegungen zu einer Reform des Strom- und Energiemarktes. Weil bisher den Regierungen aber der politische Wille fehlt, die stark subventionierten Strompreise anzuheben, fehlt es im System an Mitteln für Investitionen. Kritiker bemängeln zudem, dass Russland bisher zu stark auf den Bau neuer Kraftwerke setze und zu wenig auf die Begrenzung des Verbrauchs.

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