Energiebranche
RWE greift nach Versorger in Polen

Der Essent-Deal ist noch nicht vollständig über die Bühne gegangen, da wird RWE wieder aktiv – dieses Mal auf dem polnischen Energiemarkt: Der Energiekonzern greift nach dem drittgrößten polnischen Versorger Enea. Dieser würde gut in die Strategie von RWE passen.

DÜSSELDORF. RWE hat die besten Chancen auf die Übernahme des drittgrößten polnischen Versorgers Enea. Der deutsche Energiekonzern gab bei der Privatisierung des Unternehmens offenbar das einzige substanzielle Angebot ab. Ein Sprecher der polnischen Regierung teilte am Montagabend mit, dass die Regierung Verhandlungen mit RWE aufnehmen werde.

RWE bestätigte am Montag, dass der Energiekonzern ein nicht-bindendes Gebot für die zum Verkauf stehenden 67,5 Prozent abgegeben hat. Der Wert der geplanten Beteiligung wird in Branchenkreisen auf rund 1,5 Mrd. Euro taxiert.

Der Verkaufsprozess ist für die polnische Regierung enttäuschend verlaufen. Außer RWE hat nur ein zweiter Bieter eine Offerte eingereicht. Nach Berichten in polnischen Zeitungen soll es sich dabei um einen Finanzinvestor handeln.

Unerwartet hatte sich in der vergangenen Woche der schwedische Vattenfall-Konzern, der an Enea mit 19 Prozent beteiligt ist und als klarer Favorit galt, zurückgezogen. Ursprünglich hatten elf Unternehmen ihr Interesse bekundet. Die Zeitung „Rzeczpospolita“ hatte am Montag bereits spekuliert, die polnische Regierung wolle den Verkaufsprozess wegen der schlechten Resonanz komplett einstellen. Auch jetzt rechnen Branchenkreise noch mit einem langwierigen Verfahren. „RWE ist noch nicht durch“, hieß es.

In die Strategie des deutschen Energiekonzerns würde Enea gut passen. Das Unternehmen will erklärtermaßen in Mittel- und Osteuropa wachsen und ist in Polen bereits seit Jahren vertreten. RWE versorgt dort rund 880 000 Haushalte mit Strom, hat nach eigenen Angaben einen Anteil von 5,5 Prozent am Strommarkt und plant den Bau eines 800 Megawatt starken Steinkohlekraftwerks. Der polnische Markt verspricht zudem den Konzernen überdurchschnittliche Wachstumsraten von drei bis fünf Prozent.

RWE steht zwar auch vor dem Abschluss der rund neun Mrd. Euro teuren Übernahme des niederländischen Versorgers Essent, der Einstieg bei Enea dürfte aber trotzdem zu verdauen sein. In der vergangenen Woche besorgte sich RWE-Chef Jürgen Großmann schließlich noch zusätzlich 460 Mio. Euro, als der Konzern weitere 20 Prozent an seiner US-Tochter American Water veräußerte.

Enea setzte im vergangenen Jahr über 1,7 Mrd. Euro um. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen im Stromvertrieb in Polen einen Marktanteil von 14,7 Prozent und in der Stromproduktion von 7,9 Prozent.

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