Energiebranche
Statoil Hydro leidet unter schwacher Krone

In Deutschland freuen sich die Exportunternehmen, dass der Euro zum Dollar so sehr nachgegeben hat. Auch der Wert der norwegischen Krone ist erheblich gesunken. Doch dem größten Energiekonzern des Landes, Statoil Hydro, verhagelt das die Bilanz.

STOCKHOLM. Statoil Hydro hat im dritten Quartal dieses Jahres stark unter der schwachen norwegischen Währung gelitten: Der Vorsteuergewinn sank auf 37,3 Mrd. Kronen (4,4 Mrd. Euro) und lag damit deutlich unter dem Vorjahresergebnis von 42,3 Mrd. Kronen.Der Umsatz stieg dagegen klar auf 174,5 (129,7) Mrd. Kronen.

Statoil Hydro-Chef Helge Lund begründete das enttäuschende Ergebnis mit der deutlich geschwächten norwegischen Krone. Sein Konzern habe allein etwa 6,3 Mrd. Kronen an Währungsverlusten hinnehmen müssen. An der Börse in Oslo sank die Statoil Hydro-Aktie zwischenzeitlich um bis zu drei Prozent. Analysten in der norwegischen Hauptstadt betonten allerdings, dass die Quartalszahlen bei genauerem Hinsehen "gar nicht so schlecht" seien. Bereinigt um einmalige Sonderausgaben in Höhe von mehr als fünf Mrd. Kronen sei das gar kein schlechter Quartalsbericht, sagte ein Experte. Diese Ansicht schien sich am Nachmittag durchgesetzt zu haben: Der Kurs der Statoil Hydro-Aktie lag mit rund drei Prozent im Plus.

Im abgelaufenen Quartal hat die Statoil Hydro-Aktie allerdinmgs bereits rund ein Viertel ihres Wertes verloren. Der Grund: An den Märkten wurde befürchtet, dass die Finanzkrise zu einer deutlich schwächeren Nachfrage nach Öl führen werde. Statoil Hydro ist erst im vergangenen Jahr aus der Fusion der staatlich kontrollierten Statoil und Norsk Hydro hervorgegangen. Diese Fusion hat allein in den vergangenen drei Monaten Kosten von 3,1 Mrd. Kronen verursacht.

Statoil Hydro-Chef Lund betonte in Oslo, dass sein Konzern trotz der weltweiten Finanzkrise in "einer sehr guten finanziellen Position" sei. Tatsächlich hat der Konzern eine prall gefüllte Kasse von rund 13 Mrd. Kronen. Auch wenn er von einer Konsolidierungswelle in der Branche ausgeht, will er sich selbst mit Aufkäufen zurückhalten. "Niemand weiß, wie lang die Krise noch anhält. Wir wollen unsere starke finanzielle Position in dieser Zeit nicht gefährden", sagte Lund.

Gleichwohl betonte er, dass sein Unternehmen natürlich nach potenziellen Aufkaufkandidaten Ausschau halte. "Es ist unsere Pflicht, nach wertsteigernden Wachstumsmöglichkeiten zu gucken".

Sein Unternehmen hatte noch im zweiten Quartal dieses Jahres Rekordgewinne ausgewiesen. Allerdings lag der Rohölpreis im Sommer auch bei einem Höchststand von etwa 147 Dollar je Barrel. Mittlerweile ist der Barrel-Preis um über die Hälfte gesunken. Die Tagesproduktion erhöhte Statoil Hydro leicht auf 1,73 (1,72) Mio. Barrel und lag damit über den Prognosen der Experten. Statoil Hydro hält für das Gesamtjahr an seiner Produktionsprognose von durchschnittlich 1,9 Barrel pro Tag fest. Im kommenden Jahr rechnet Lund sogar mit einer Steigerung auf etwa 2,2 Mio. Barrel.

Sorgen bereiten allerdings die deutlich gestiegenen Produktionskosten.In den zurückliegenden zwölf Monaten lagen die Produktionskosten für ein Barrel Öl bei 47,4 Kronen. Vor einem Jahr betrugen sie noch 33,3 Kronen. Ein Grund für die höheren Kosten sind nach Statoil Hydro-Angaben fusionsbedingt, da der neue Konzern seine Produktion umstellen und neu organisieren musste.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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