Energiekonzern beendet Übernahmegespräche
Eon pokert mit Scottish Power

Der Energiekonzern Eon behält den britischen Versorger Scottish Power im Visier. Vorstandschef Wulf Bernotat teilte am Dienstag zwar mit, die Gespräche mit dem Management von Scottish Power seien beendet. Er betonte aber ausdrücklich die in seinen Augen „überzeugende industrielle Logik“ einer Allianz.

DÜSSELDORF. „Für die Kunden und Aktionäre beider Unternehmen wäre ein solcher Zusammenschluss gleichermaßen vorteilhaft.“

Eon spiele offenbar auf Zeit, hieß es in gut informierten Branchenkreisen. Der Konzern wolle abwarten, wie sich der Aktienkurs von Scottish Power entwickle und ob sich die Chance für einen neuen Anlauf ergebe. Er habe den Aktionären aber jetzt eindeutig signalisiert, welchen Preis er höchstens bereit sei zu bezahlen.

Eon hatte Anfang September sein Interesse am sechstgrößten britischen Versorger auf Druck der Londoner Börsenaufsicht bekannt gegeben und in der Zwischenzeit Gespräche mit der Führung von Scottish Power aufgenommen. Nach eigenen Angaben schlug das Eon-Management dabei eine Offerte von 570 Pence je Aktie vor, die das Unternehmen mit 11,3 Mrd. Pfund (16,5 Mrd. Euro) bewertet hätte. Scottish Power habe diesen Vorschlag „bedauerlicherweise“ zurückgewiesen, sagte Bernotat. Die Vorstellungen der Briten seien „vollkommen unrealistisch“ gewesen, ergänzte ein Sprecher.

Nach dem britischen Übernahmerecht darf Eon in den nächsten sechs Monaten keinen zweiten Anlauf wagen. Es gibt aber einige Ausnahmen, auf die Eon ausdrücklich hinweist: Demnach ist eine neue Offerte auch innerhalb der Stillhalteperiode möglich, wenn ein Konkurrent ein Gegenangebot unterbreiten oder das Management von Scottish Power die Offerte nachträglich akzeptieren würde. Sollte kein anderer Interessent auftauchen, halten Experten Letzteres durchaus für möglich.

Der Sprecher wollte sich gestern zu den weiteren Möglichkeiten von Eon nicht äußern. Er machte aber deutlich, dass der Konzern aus Düsseldorf keine feindliche Übernahmeofferte erwäge. Dies sei nicht die „bevorzugte Option“.

Ob Eon einen zweiten Anlauf unternimmt, dürfte von der weiteren Kursentwicklung der Scottish-Power-Aktie abhängen. Sie war infolge der Übernahmephantasie geklettert und gab gestern um rund acht Prozent auf 530 Pence nach. Die Offerte, die Eon vollständig in bar bezahlen wollte, liegt mit 570 Pence um rund 30 Prozent über dem Kurs von Mitte Mai, als die Spekulationen einsetzten. Das Management von Scottish Power versucht andererseits, die Anteilseigner von seiner Position zu überzeugen, und kündigte gestern eine Anhebung der Dividende an.

An der Börse wurde die entschlossene Haltung von Eon begrüßt: Der Kurs legte um knapp drei Prozent zu. „Das ist konsequent“, sagte Peter Wirtz von der WestLB. Bernotats Aussagen, sein Unternehmen werde bei der Expansion behutsam vorgehen, seien kein Lippenbekenntnis. In Wirtz’ Augen hat Eon aber nach wie vor Chancen in Schottland. Einen anderen Bieter, der ein ähnlich reizvolles Angebot unterbreiten könnte, sieht er nicht.

Andererseits wächst nun wieder der Druck auf Bernotat, die prall gefüllte Kriegskasse sinnvoll einzusetzen. Eon hat durch Verkäufe von Tochterunternehmen so viel eingenommen, dass der Konzern inzwischen eine Netto-Cashposition von über drei Mrd. Euro hat. Das heißt, er verfügt über mehr liquide Mittel, als er Verbindlichkeiten hat. Weil die vom Unternehmen veranschlagten Eigenkapitalkosten aber höher sind als die Zinsen, die für das Fremdkapital zu bezahlen sind, ist eine solche Finanzposition nicht sinnvoll. Investmentfonds haben wiederholt gefordert, eine Sonderdividende auszuschütten. „Die Forderungen werden jetzt wieder laut werden“, sagt Wirtz. Analyst Stephan Wulff von Sal. Oppenheim hält dagegen eher ein Aktienrückkaufprogramm für wahrscheinlich. Dass Eon rasch ein alternatives Übernahmeobjekt in der Größenordnung von Scottish Power finden könnte, glauben Analysten nicht. „Scottish Power ist schon eine gute Gelegenheit, die nicht häufig kommt“, sagt Wulf.

SCOTTISH POWER – BEGEHRTER VERSORGER

Kennzahlen

Scottish Power ist der sechstgrößte Versorger in Großbritannien und beliefert rund fünf Millionen Kunden mit Strom und Gas. Das Unternehmen setzte zuletzt knapp sieben Milliarden Pfund um.

Kandidat

Im Mai kündigte der Konzern den Verkauf der US-Sparte Pacificorp an. Seitdem gilt er als bezahlbarer Übernahmekandidat.

Interessenten

Als möglicher Bieter gilt der schottische Konkurrent Scottish & Southern. Andere Unternehmen wie RWE und Centrica haben dagegen schon abgewinkt.

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