Energiekonzern
BP schreibt trotz Ölkatastrophe wieder schwarze Zahlen

Trotz der Milliardenkosten für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat der britische Ölriese im dritten Quartal wieder Gewinne gemacht. Der Überschuss beläuft sich auf 1,8 Milliarden Dollar. Unterdessen macht das Unternehmen nach eigenen Angaben Fortschritte beim Verkauf von Konzernteilen.
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LONDON. Er hat sich alle Mühe gegeben, seine Euphorie zumindest teilweise zu verbergen. In jedem dritten Satz betonte Bob Dudley gestern bei der Veröffentlichung der BP-Quartalszahlen: Der Konzern habe noch einen langen Weg vor sich, um das öffentliche Vertrauen nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wiederzugewinnen, um Lehren aus dem Desaster zu ziehen und dessen Folgen nachhaltig zu überwinden. Ein zufriedenes Lächeln konnte sich der neue Chef des britischen Ölmultis aber am Ende doch nicht verkneifen, als er sagte: „Im operativen Geschäft haben wir eine starke Leistung gezeigt.“

In Zahlen sieht die so aus: BP hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal – bereinigt um Sonderfaktoren und um Wertveränderungen beim Ölbestand – auf 5,5 Mrd. Dollar gesteigert. Das ist ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit viel weniger gerechnet. Sie hielten es sogar für deutlich wahrscheinlicher, dass der bereinigte Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal schrumpft.

Doch BP fasst offenbar im Tagesgeschäft wieder langsam Tritt. Der Konzern hat ebenso wie die Konkurrenten davon profitiert, dass der Ölpreis im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, weil die weltweite Nachfrage im Zuge der Konjunkturerholung zugelegt hat.

Noch ist aber unklar, wie nachhaltig das gute Abschneiden von BP ist. So hat beispielsweise auch die Erholung des Raffineriegeschäfts dem Unternehmen in die Hände gespielt. Analysten stellten jedoch in Frage, ob dieser Faktor auch im kommenden Quartal greift.

Der überraschend hohe bereinigte Gewinn gab dem BP-Aktienkurs gestern trotzdem Auftrieb – ebenso wie die Ankündigung von Dudley, BP werde möglicherweise im nächsten Jahr wieder eine Dividende zahlen. Der Kurs stieg im Tagesverlauf um 1,8 Prozent auf 431,50 Pence.

Die Anleger sahen offenbar darüber hinweg, dass BP seine Rückstellungen für die Folgen der Ölpest erhöht hat. Der Konzern geht jetzt von Kosten von insgesamt 40 Mrd. Dollar aus. Bislang hatte BP gut 32 Mrd. Dollar einkalkuliert. Die weiteren Rückstellungen waren notwendig geworden, weil BP mehr Zeit brauchte als geplant, um das Bohrloch endgültig zu versiegeln. Das hat den Reingewinn geschmälert. Dieser lag im abgelaufenen Quartal bei 1,79 Mrd. Dollar. Das ist zwar nur ein Drittel des Reingewinns aus dem Vorjahr, aber eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorquartal. Zwischen April und Juni sind bei BP Verluste von 17 Mrd. Dollar angefallen – wegen der Rücklagen für die Beseitigung der Ölpestschäden.

Tatsächlich hat das Unternehmen bislang nur zehn Mrd. Dollar ausgegeben, um die Golfküste zu reinigen und die Opfer zu entschädigen. Ein großer Ausgabeposten ist zudem noch offen und könnte weitere Rücklagen nötig machen: die Höhe der zivilrechtlichen Strafen. Dem Konzern droht ein Bußgeld von mindestens fünf Mrd. Dollar für die 4,9 Mio. Barrel Öl (795 Mio. Liter), die in den Golf von Mexiko geflossen sind. Die Strafzahlung könnte auf 20 Mrd. Dollar steigen, wenn dem Unternehmen Fahrlässigkeit als Ursache der schwersten Umweltkatastrophe in der US-Geschichte nachgewiesen wird.

Eine von der amerikanischen Regierung eingesetzte Kommission untersucht derzeit die Auslöser des Desasters. In einem Zwischenbericht wirft sie sowohl BP als auch dem Branchendienstleister Halliburton Versäumnisse vor.

Demnach haben beide Unternehmen gewusst, dass die Zementmischung zum Abdichten des Bohrlochs minderwertig war. Dies gilt als eine wesentliche Ursache des Unglücks, bei dem im April elf Menschen starben. Ihren vollständigen Untersuchungsbericht will die Kommission im Dezember vorlegen. Danach erst wird die US-Regierung wohl Strafzahlungen festlegen.

Um die Kosten aufzufangen, will BP Unternehmensteile für bis zu 30 Mrd. Dollar verkaufen. Verkäufe für 14 Mrd.Dollar seien bereits festgezurrt, sagte BP-Chef Dudley.

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