Energiekonzern
DIW rät Eon zu Druck auf Gaslieferanten

Nach Einschätzung der DIW-Energie-Expertin Claudia Kemfert belasten ungünstige Verträge mit russischen Lieferanten Eon weit mehr als die Energiewende. Eine Schließung der Essener Eon Ruhrgas schließt sie nicht aus.
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DüsseldorfDas Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) führt die derzeitigen Probleme des Energiekonzerns Eon nicht nur auf die Energiewende zurück. Einerseits hätten zwar der Atomausstieg und die dadurch bedingte Abschaltung von Kernkraftwerken zu Gewinnausfällen geführt. „Andererseits, und das betrifft Eon stärker als RWE, führen die ungünstigen Lieferverträge mit russischen Gasanbietern dazu, dass die Gaspreise zu hoch sind und somit die Kosten unnötig hoch“, sagte Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt beim DIW Handelsblatt Online. Gas gebe es derzeit im Überfluss im Markt, und der Gaspreis sei niedriger als durch die Ölpreisbindung verlangt. Aber, so Kemfert: „Die hohen Preise kann Eon nur schwer an die Kunden weiterreichen.“

Eon Ruhrgas ist wegen langfristiger Verträge gezwungen, seinem Lieferanten Gazprom Preise weit über dem Marktpreis zu zahlen. Monatelange Verhandlungen mit den Russen sind gescheitert. Kemfert hält es daher für ein realistisches Szenario, dass der Essener Standort Ruhrgas womöglich komplett geschlossen wird. „Sollte wirklich Eon Ruhrgas zur Disposition stehen, zeigt das, wie ernst die Lage durch die schwierigen Liefervertrage mit Russland ist“, sagte die DIW-Expertin. „Der Eon-Vorstand könnte aber allein durch die Ankündigung schon Druck auf die russischen Lieferunternehmen aufbauen, die keine flexiblen Vertragskonditionen bisher akzeptiert haben.“ Sollte Eon durch ein Schiedsverfahren vor Gericht ähnlich wie der italienische Konzern Edison zu besseren Konditionen kommen, könne der Druck entschärft werden.

Dessen ungeachtet sieht Kemfert für Eon auch Vorteile durch den angekündigten Konzernumbau. Eon habe sich wohl zum Ziel gesetzt, massiv Kosten einzusparen. „Der Konzernumbau kann aber auch Chancen für den Konzern bringen, der schon lange mit dem Gedanken spielt, Standorte in Deutschland zusammenzulegen“, sagte die DIW-Ökonomin. „Man könnte Teile des Konzerns zum Beispiel Stadtwerke oder ausländische Beteiligungen verkaufen, das würde Investitionsoptionen ermöglichen.“

Darüber hinaus profitieren nach Kemferts Ansicht auch andere Energieanbieter von dem Druck, den Eon, RWE und auch EnBW derzeit spüren. „Die großen Konzerne bekommen mehr Druck, dadurch entstehen verbesserte Chancen für mittelständische Anbieter wie auch Stadtwerke, Infrastrukturunternehmen oder auch ausländische Anbieter“, sagte sie. „Der Markt kommt in Bewegung, für den Verbraucher ist dies nicht schlecht, da somit auch mehr Druck auf die Strompreise kommt.“

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Den Artikel hätte man sich sparen können. Wenn Frau Kemfert etwas sagt, sind es immer nur Worthülsen, die jeder kennt aber niemand braucht. Wann merken die Medien endlich, dass sie hier keine "Expertin" vor sich haben.

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