Energiekonzern
EnBW setzt flexible Gas-Konditionen durch

Der Versorger erhält einen direkten Zugang zum russischen Markt. EnBW handelte einen neuen Gasliefervertrag mit dem zweitgrößten Produzenten des Landes aus. Firmenchef Villis sieht darin einen entscheidenden Schritt.
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DüsseldorfEnBW-Chef Hans-Peter Villis sieht in dem neuen langfristigen Gasvertrag einen entscheidenden strategischen Schritt für den Energiekonzern. „Im Gegensatz zum Stromgeschäft war die EnBW bei Gas traditionell schwächer. Wir wollten das Gas nicht nur von den Großhändlern kaufen und dann in Deutschland an unsere Kunden vertreiben, sondern die Wertschöpfungskette erweitern“, sagte Villis im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das sei dem Unternehmen jetzt mit dem direkten Zugang zum russischen Markt gelungen.

Die EnBW hatte zuvor mitgeteilt, dass sie einen langfristigen Liefervertrag mit einem russischen Produzenten abgeschlossen hat. In den kommenden zehn Jahren wird das Unternehmen pro Jahr rund 1,9 Milliarden Kubikmeter Gas beziehen. Nach Villis' Worten kann die EnBW damit knapp 30 Prozent ihres eigenen Absatzes decken.

Die EnBW und Villis haben mit ihrem Partner zwar zunächst vereinbart, dessen Namen noch vertraulich zu behandeln. Nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen handelt es sich aber um Novatek, dem nach Gazprom zweitgrößten russischen Gasproduzenten. Ein Sprecher von Novatek wollte sich dazu nicht äußern. Früheren Angaben zufolge besitzt Gazprom in Russland ein Monopol auf den Erdgas-Export.

Villis betonte, dass die EnBW bei dem Vertrag marktgerechte Konditionen durchgesetzt hat. „Zum einen ist die Menge, die wir abnehmen können, sehr flexibel. Je nach Bedarf können wir mehr oder weniger abnehmen. Zum anderen orientiert sich der Preis sowohl mittelbar am Ölpreis, als auch an den Gasbörsen und reflektiert somit die zwischenzeitliche Entwicklung an den Gasmärkten.“ Die Konkurrenten RWE und Eon hatten zuletzt unter unrentablen Lieferverträgen aus Russland gelitten.

Villis stellte klar, dass an dem Deal der russische Lobbyist Andrej Bykov nicht beteiligt war. „Vielleicht wird er das behaupten. Aber mit Herrn Bykov hat dieser Vertrag nichts zu tun.“ Bykov streitet mit EnBW über Millionen-Summen. Er behauptet die EnBW habe mit ihm Scheinverträge geschlossen, um Gasgeschäfte in Russland anzubahnen.

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