Energiekonzern
Eon bietet für Versorger aus Portugal

Der Versorger Eon will sich am  größten portugiesischen Energiekonzern Energias de Portugal (EDP) beteiligen. Der Deal soll dem Unternehmen gut zwei Milliarden Euro wert sein.
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DüsseldorfEon-Chef Johannes Teyssen wagt einen heiklen Spagat. Gestern wurden seine Mitarbeiter in der Düsseldorfer Zentrale über massive Stellenstreichungen informiert. Gleichzeitig hat Teyssen nach Informationen des Handelsblatts ein milliardenschweres Angebot für eine Beteiligung am Energiekonzern Energias de Portugal (EDP) abgegeben. Die Offerte dürfte den ohnehin heftigen Streit mit den Arbeitnehmervertretern weiter anheizen. Dem Finanzmarkt zeigt Teyssen dagegen, dass sein Konzern trotz Energiewende und Sparprogramm handlungsfähig ist.

Eon habe fristgerecht eine erste Offerte für die 21,5 Prozent abgegeben, die der portugiesische Staat verkaufen will, hieß es in Konzernkreisen. EDP wird an der Börse mit 8,5 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot dürfte also inklusive strategischem Aufschlag bei mehr als zwei Milliarden Euro liegen. Ein Eon-Sprecher wollte die Informationen auf Anfrage nicht kommentieren. Teyssen soll aber auch schon bei EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, einem Portugiesen, vorgefühlt haben.

Portugal muss sich von der Beteiligung im Rahmen seines von der Europäischen Union verordneten Sparprogramms trennen. In diesen Tagen müssen die Interessenten zunächst unverbindliche Offerten abgeben, die Regierung wird dann eine Vorauswahl treffen und verbindliche Offerten einfordern. Bis Ende des Jahres könnte eine Entscheidung fallen.

Eons Chancen stehen nicht schlecht. Einige starke Konkurrenten haben in den vergangenen Tagen bereits abgewinkt, darunter Électricité de France und GDF Suez. Eine Offerte eingereicht hat dagegen der größte Stromkonzerns Lateinamerikas, Electrobras.

Eon-Chef Teyssen will die portugiesische Regierung mit einer umfassenden Partnerschaft mit EDP überzeugen. Die Mehrheit übernehmen will er nicht, aber insbesondere im Bereich erneuerbare Energien kooperieren. Gemeinsam würden die beiden Konzerne hier den zweitgrößten Anbieter der Welt schaffen. EDP betreibt unter anderem Windräder in Spanien, Portugal, Frankreich, Brasilien und den USA.

Reizvoll für Teyssen ist aber auch das umfangreiche Engagement der Portugiesen in Brasilien. Das südamerikanische Land gehört zu den Auslandsmärkten, die Teyssen nach langen Sondierungen als Zukunftsmärkte ausgemacht hat, um Eon nach dem Atomausstieg in Deutschland neue Perspektiven zu eröffnen.

In der Belegschaft dürften die Pläne, Milliarden im Ausland auszugeben, dagegen für weitere Unruhe sorgen. Teyssen hat angekündigt rund 11000 der knapp 80000 Stellen zu streichen. Gestern wurde den Beschäftigten mitgeteilt, dass in der Konzernzentrale nur noch 400 statt 850 Mitarbeiter beschäftigt werden. Die Gewerkschaft Verdi hat für die kommenden zwei Wochen heftige Proteste angekündigt.

Kommentare zu " Energiekonzern: Eon bietet für Versorger aus Portugal"

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  • Ich glaube die Nieten sitzen ganz woanders lieber Kurbel33... Und wir können die Leute traktieren, das ist die Realität. Werdet doch einfach Aktionäre, dann könnt Ihr mitbestimmen, vorher werde ich auch Eure Meinung nicht für so wichtig nehmen...

  • Sehr geehrte Konzernkommunikation der E.ON AG, faktisch ist das wahrscheinlich richtig. Schade ist nur, dass sich mehrere Zehntausend Mitarbeiter von sechs Nieten in Nadelstreifen traktieren lassen müssen. Und Portugal, dass zu den Wackelkandidaten der PIIGS gehört, wird bei einem Euro-Destaster wirtschaftlich so richtig in den Abgrund driften. Absolut korrekt: das ist wahrhaft gut versenktes Geld.

  • Seid Euch doch einfach mal bewusst: Der Konzern kann das machen, wenn er will. Die Mitarbeiter entlassen, wenn es mit weniger auch geht. Ihr sitzt bloß am falschen Ende der Kette. Die Aktionäre haben immer jemanden, den man bluten lassen kann, das ist halt das Pech der Leute, die für Geld arbeiten gehen müssen. Portugal passt schon ins Konzept, das ist gut angelegtes Geld. Und man kann auch nicht so ohne weiteres sagen, dass früher Geld verbrannt wurde. Bei Italien wurden z.B. rückwirkend die Steuern angehoben, das konnte niemand so absehen. Beim Gas muss man den Kritikern schon recht geben, das stört mich auch. Aber auf der Hauptversammlung werden dann wieder 30 Leute Kritik üben und palavern, am Ende geht die Abstimmung sowieso zu 99% für den Vorstand aus, so sehen die wirklichen Machtverhältnisse aus...

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