Energiekonzern Eon bietet für Versorger aus Portugal

Der Versorger Eon will sich am  größten portugiesischen Energiekonzern Energias de Portugal (EDP) beteiligen. Der Deal soll dem Unternehmen gut zwei Milliarden Euro wert sein.
Update: 25.10.2011 - 18:56 Uhr 7 Kommentare
Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen. Quelle: dapd

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen.

(Foto: dapd)

DüsseldorfEon-Chef Johannes Teyssen wagt einen heiklen Spagat. Gestern wurden seine Mitarbeiter in der Düsseldorfer Zentrale über massive Stellenstreichungen informiert. Gleichzeitig hat Teyssen nach Informationen des Handelsblatts ein milliardenschweres Angebot für eine Beteiligung am Energiekonzern Energias de Portugal (EDP) abgegeben. Die Offerte dürfte den ohnehin heftigen Streit mit den Arbeitnehmervertretern weiter anheizen. Dem Finanzmarkt zeigt Teyssen dagegen, dass sein Konzern trotz Energiewende und Sparprogramm handlungsfähig ist.

Eon habe fristgerecht eine erste Offerte für die 21,5 Prozent abgegeben, die der portugiesische Staat verkaufen will, hieß es in Konzernkreisen. EDP wird an der Börse mit 8,5 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot dürfte also inklusive strategischem Aufschlag bei mehr als zwei Milliarden Euro liegen. Ein Eon-Sprecher wollte die Informationen auf Anfrage nicht kommentieren. Teyssen soll aber auch schon bei EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, einem Portugiesen, vorgefühlt haben.

Portugal muss sich von der Beteiligung im Rahmen seines von der Europäischen Union verordneten Sparprogramms trennen. In diesen Tagen müssen die Interessenten zunächst unverbindliche Offerten abgeben, die Regierung wird dann eine Vorauswahl treffen und verbindliche Offerten einfordern. Bis Ende des Jahres könnte eine Entscheidung fallen.

Eons Chancen stehen nicht schlecht. Einige starke Konkurrenten haben in den vergangenen Tagen bereits abgewinkt, darunter Électricité de France und GDF Suez. Eine Offerte eingereicht hat dagegen der größte Stromkonzerns Lateinamerikas, Electrobras.

Eon-Chef Teyssen will die portugiesische Regierung mit einer umfassenden Partnerschaft mit EDP überzeugen. Die Mehrheit übernehmen will er nicht, aber insbesondere im Bereich erneuerbare Energien kooperieren. Gemeinsam würden die beiden Konzerne hier den zweitgrößten Anbieter der Welt schaffen. EDP betreibt unter anderem Windräder in Spanien, Portugal, Frankreich, Brasilien und den USA.

Reizvoll für Teyssen ist aber auch das umfangreiche Engagement der Portugiesen in Brasilien. Das südamerikanische Land gehört zu den Auslandsmärkten, die Teyssen nach langen Sondierungen als Zukunftsmärkte ausgemacht hat, um Eon nach dem Atomausstieg in Deutschland neue Perspektiven zu eröffnen.

In der Belegschaft dürften die Pläne, Milliarden im Ausland auszugeben, dagegen für weitere Unruhe sorgen. Teyssen hat angekündigt rund 11000 der knapp 80000 Stellen zu streichen. Gestern wurde den Beschäftigten mitgeteilt, dass in der Konzernzentrale nur noch 400 statt 850 Mitarbeiter beschäftigt werden. Die Gewerkschaft Verdi hat für die kommenden zwei Wochen heftige Proteste angekündigt.

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7 Kommentare zu "Energiekonzern: Eon bietet für Versorger aus Portugal"

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  • Ich glaube die Nieten sitzen ganz woanders lieber Kurbel33... Und wir können die Leute traktieren, das ist die Realität. Werdet doch einfach Aktionäre, dann könnt Ihr mitbestimmen, vorher werde ich auch Eure Meinung nicht für so wichtig nehmen...

  • Sehr geehrte Konzernkommunikation der E.ON AG, faktisch ist das wahrscheinlich richtig. Schade ist nur, dass sich mehrere Zehntausend Mitarbeiter von sechs Nieten in Nadelstreifen traktieren lassen müssen. Und Portugal, dass zu den Wackelkandidaten der PIIGS gehört, wird bei einem Euro-Destaster wirtschaftlich so richtig in den Abgrund driften. Absolut korrekt: das ist wahrhaft gut versenktes Geld.

  • Seid Euch doch einfach mal bewusst: Der Konzern kann das machen, wenn er will. Die Mitarbeiter entlassen, wenn es mit weniger auch geht. Ihr sitzt bloß am falschen Ende der Kette. Die Aktionäre haben immer jemanden, den man bluten lassen kann, das ist halt das Pech der Leute, die für Geld arbeiten gehen müssen. Portugal passt schon ins Konzept, das ist gut angelegtes Geld. Und man kann auch nicht so ohne weiteres sagen, dass früher Geld verbrannt wurde. Bei Italien wurden z.B. rückwirkend die Steuern angehoben, das konnte niemand so absehen. Beim Gas muss man den Kritikern schon recht geben, das stört mich auch. Aber auf der Hauptversammlung werden dann wieder 30 Leute Kritik üben und palavern, am Ende geht die Abstimmung sowieso zu 99% für den Vorstand aus, so sehen die wirklichen Machtverhältnisse aus...

  • Der Atomausstieg kostet EON keine einzigen Arbeitsplatz.
    EON schmeißt die gesmte IT-Landschaft raus. Hat sich in allen möglichen Märkten verzockt. Langfristige Gaslieferverträge abgeschlossen, die jenseits von gut und böse sind etc.
    Man könnte dazu auch "eklatante Management-Fehlentscheidungen" sagen. Traut sich bloss niemand offen auszusprechen. Aber im Mai 2012 ist die nächste Aktionärsversammlung und da dürfen sich Vorstand und Aufsichtsrat warm anziehen.

  • Seit Bernotat hat E.ON bei Auslandsakquisitionen regelmäßig Böcke geschossen. Das hat E.ON in der Vergangenheit hohe Wertberichtigungen eingebracht. Jetzt gehts nach Portugal mit der Achse nach Brasilien. Eine Anmerkung: Man sollte sich schon Geschäfte zulegen von denen man Ahnung hat. Was da für Synergien gehoben werden sollen? Zur weiteren strategischen Ausrichtung des Konzerns auch keine Äußerung. E.ON macht so weiter wie immer, einfach Geld raushauen. Interessant an dem Portugal-Deal ist bestimmt die strategische Prämie! EDF hat abgewunken: aha! Das da die zum Abschuss freigegebenen Mitarbeiter aufschreien, kein Wunder.

  • Der glücklose Teyssen versucht einen Befreiungsschlag. Die letzten Akquisitionen von EON waren allesamt nicht besonders erfolgreich, sondern eher Cashburner.
    Herr Teyssen sollte mal den ROI vorlegen, bevor er 2 Mrd oder mehr investiert.

    Im übrigen hat EON einen starken Mitbieter mit Electrobras. Dieser paßt schon alleine aufgrund der kulturellen, sprachlichen und sachkundlichen Nähe besser zu EDP. Mal ganz davon abgesehen, dass Electrobras eine prall gefüllte Kasse hat und nicht von Sparzwängen getrieben wird, wie EON. Teyssen steckt tief in der Krise mit EON. Nachdem der Konzern in dem "BRIC"-Staat Russland ein Desaster erlebt hat, meint er nun in dem "BRIC"-Staat Brasilien ein neues Abenteuer eingehen zu können, wenn er sich Teile von EDP einverleibt. Ob diese Rechnung aufgehen wird, wird sich zeigen. Wer knapp 20% seiner Belegschaft entläßt und mehrere Milliarden im Ausland verprasst, hat den Blick für Verantwortung, Ethik, Moral und Anstand verloren. Oder ist er einfach nur skrupelos?

  • "In der Belegschaft dürften die Pläne, Milliarden im Ausland auszugeben, dagegen für weitere Unruhe sorgen... ...Die Gewerkschaft Verdi hat für die kommenden zwei Wochen heftige Proteste angekündigt."

    Dann sollte die Gewerkschaft aber nicht vergessen, wer dafür verantwortlich ist, dass der Energiekonzern sein Engagement in Deutschland zurückschraubt und dafür im
    Ausland den Ausgleich sucht. Immerhin hat die Politik die "Energiewende" für Deutschland befohlen. Und da die Politik ohnehin zum Planungsrisiko für deutsche Unternehmen geworden ist, bietet es sich an die Produktion ins Ausland zu verlagern. Das gilt auch für die "Energie-Produktion". Also Verdi, nicht vergessen "Danke für die Energiewende, Frau Merkel" auf die Protestplakate zu schreiben. Aber Frau Merkel wird der Deal mit Portugal recht sein. Hilft es doch die Verschuldung des Pleitekandidats zu senken und damit ihrem Projekt Nr.1 "Der totale Euro" zu dienen. Dafür dürfen in Deutschland bei ein paar Firmen ruhig die Lichter ausgehen.

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