Energiekonzern
Flüssiggas: Eon will ohne deutsches Terminal expandieren

Der Energiekonzern Eon will sein Geschäft mit Flüssiggas (LNG) in den kommenden Jahren massiv ausbauen. Allerdings verzichtet der Versorger vorerst auf den Bau eines ersten LNG-Schiffsanlegers in Deutschland. Das geht zulasten des bisher geplanten Projekts in Wilhelmshaven.

HB ESSEN. Stattdessen beteilige sich Eon mit einem "hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag" an einem Terminal in Rotterdam, wie Eon-Ruhrgas-Vorstand Jochen Weise am Dienstag in Essen sagte. Bis 2020 wolle Ruhrgas über verschiedene Standorte jährlich zehn Mrd. Kubikmeter Flüssiggas beziehen. Die Gesellschaft setzt derzeit jährlich rund 60 Mrd. Kubikmeter Gas ab, LNG spielt dabei bisher kaum eine Rolle.

Liquefied Natural Gas (LNG) gilt jedoch als Zukunftsmarkt. Gas wird dafür im Ursprungsland durch extreme Kälte verflüssigt und das Volumen damit deutlich verkleinert. Dadurch kann es auf Tanker verladen werden, ehe es im Zielland wieder in Gas für den Weitertransport per Pipeline umgewandelt wird. Eon will mit LNG seinen Gasbezug auf eine breitere Basis stellen. Als Lieferländer hat der Konzern Länder in Nord- und Westafrika sowie im Nahen Osten im Blick. Bislang bezieht das Unternehmen sein Gas vor allem über Pipelines aus Russland, Norwegen und den Niederlanden.

"LNG wird weltweit und für die Versorgung Europas eine immer wichtigere Rolle spielen", sagte Weise. Eon Ruhrgas beteiligt sich in Rotterdam mit fünf Prozent an der Gesellschaft Gate Terminal, die von den niederländischen Unternehmen Gasunie und Vopak betrieben wird. Die Anlage ist bereits im Bau und soll 2011 fertiggestellt sein. Pro Jahr habe Eon eine Kapazität von drei Mrd. Kubikmeter Erdgas gebucht. "Mit dieser Menge lassen sich über 1,5 Mill. Einfamilienhäuser ein Jahr lang versorgen."

In Wilhelmshaven sei das Interesse anderer Unternehmen, langfristig feste Kapazitäten zu buchen, zu gering gewesen, sagte Weise. Eon habe nicht das Risiko hoher Leerstandskosten eingehen wollen. Eon hält 90 Prozent an der mit den Planungen für Wilhelmshaven betrauten Deutschen Flüssigerdgas Terminal Gesellschaft (DFTG), die übrigen zehn sind in der Hand des Leipziger Versorgers VNG. Die Kosten für den auf jährlich bis zu zehn Mrd. Kubikmeter Gas geplanten Schiffsanleger in Wilhelmshaven hatte Eon vor drei Jahren auf rund 500 Mill. Euro geschätzt. Die Kosten dürften inzwischen jedoch Weise zufolge um rund 50 Prozent gestiegen sein.

Für die strukturschwache Region an der Nordsee ist die Entscheidung von Eon ein herber Rückschlag. "Das ist äußerst bedauerlich, da die Stadt erhebliche Aufwendungen für das Projekt betrieben hat", sagte Oberbürgermeister Eberhard Menzel. Wilhelmshaven habe sich etwa 100 bis 150 neue Arbeitsplätze durch das Projekt versprochen. Weise sagte, Eon wolle Wilhelmshaven als Zukunftsoption behalten: "Die Zeit ist noch nicht reif. Aber die Zeit wird kommen."

Der Essener Konkurrent RWE hält einer Sprecherin zufolge an seinen Planungen fest, in der Stadt am Jadebusen einen LNG-Terminal zu errichten. Als Zeitpunkt nimmt RWE allerdings inzwischen das Jahr 2012 ins Visier, nachdem der Konzern zunächst Ende 2010 angepeilt hatte.

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