Energiekonzern mit Gewinn
EnBW kommt bei der Sanierung voran

Nach dem turbulenten Vorjahr hat die Energie Baden-Württemberg AG die ersten neun Monate 2004 mit einem Gewinn abgeschlossen. „Die strukturelle Sanierung ist weitgehend abgeschlossen“, beurteilte sogar EnBW-Vorstandschef Utz Claassen.

HB DÜSSELDORF. Im Vergleich zur Vorjahresperiode hätten sich alle relevanten Ertragskennziffern des EnBW-Konzerns „sehr deutlich verbessert“ – selbst wenn der Vergleichswert um Einmaleffekte bereinigt werde, teilte das Unternehmen mit. Das operative Geschäft sei erheblich stärker geworden.

Nachdem Claassen im Frühjahr 2003 den Vorstandsvorsitz von Gerhard Goll übernommen hatte, deckte er zahlreiche Sonderlasten auf – vor allem unrentable und zu teuer eingekaufte Beteiligungen. Er verordnete dem Energiekonzern einen strikten Sparkurs und kündigte eine umfangreiche Bereinigung des Portfolios an.

Dabei ist EnBW nach eigenen Angaben schon weit voran gekommen: Zum 30. September hatte das Unternehmen 138 Gesellschaften verkauft, verschmolzen, geschlossen oder in Partnerschaften eingebracht. Unter anderem hat sich der Konzern inzwischen von der Schuh- und Dienstleistungstochter Salamander und dem Parkhausbetreiber Apcoa getrennt. Die Mitarbeiterzahl sank dabei deutlich – von mehr als 40 000 auf weniger als 20 000. Gleichzeitig straffte Claassen im Kerngeschäft Energie den Vertrieb und senkte die Kosten.

„Das Management hat bisher das geliefert, was es versprochen hat“, sagt Analyst Franz Rudolf von der Hypovereinsbank. Der Zwischenbericht zeige, dass die Restrukturierung greife. Der Verkauf der Beteiligungen führe zu einer Refokussierung und helfe die Verschuldung abzubauen.

Nach Steuern erwirtschaftete der Konzern in den ersten drei Quartalen 223 Mill. Euro Gewinn. Im Jahr zuvor hatte er – belastet durch hohe Abschreibungen auf unrentable Beteiligungen – noch ein Minus von mehr als einer Mrd. Euro ausgewiesen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) erhöhte sich auf 845 Mill. Euro und lag damit selbst um die Einmaleffekte bereinigt knapp 60 Prozent über dem Wert der Vorjahresperiode. Während der Absatz von Strom um 2,9 Prozent stieg, ging der Verkauf von Gas um 9,3 Prozent zurück. Der Umsatz sank durch Beteiligungsverkäufe um 3,6 Prozent auf 7,2 Mrd. Euro. Im Kerngeschäft Energie legte er allerdings 7,4 Prozent zu.

Die Nettoverschuldung sank um 1,8 Mrd. auf 5,1 Mrd. Euro. Einen Teil davon erreichte EnBW durch den Verkauf eines Aktienpaketes an die Großaktionäre Electricité de France (EdF) und Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW). Weitere Anteilseigner sind institutionelle Anleger. Nur knapp drei Prozent sind breit gestreut.

Im Gesamtjahr soll sich der Trend aus den ersten neun Monaten fortsetzen. Die EnBW rechne mit einem „angemessenen Gewinn“ und einer „angemessenen Dividende“, heißt es im Zwischenbericht.

Trotz der deutlichen Fortschritte bleibt EnBW nach Claassens Worten aber bei ihrem Sanierungskurs: „Es bleibt in den kommenden zwei Jahren noch viel zu tun, und es liegen noch deutliche Anstrengungen vor uns“, sagte der Vorstandschef. „Wir werden auch weiterhin Quartal für Quartal unsere Hausaufgaben abarbeiten“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%