Energiekonzern
RWE-Aufsichtsratschef Fischer wirft hin

Die Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE hat mit einer Überraschung begonnen: Der Chef des Aufsichtsrates, Thomas Fischer, kündigte überraschend seinen Rücktritt an – offiziell aus privaten Gründen. Doch das sei nur vorgeschoben, heißt es im Umfeld des Kontrollgremiums.

ESSEN. Es sind eigentlich ein paar Minuten zum Abschalten, aber dieses Mal ertönt ein Paukenschlag. Wie in jedem Jahr begrüßt Thomas Fischer, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, die Aktionäre des Energiekonzerns RWE in der hell- und dunkelblau dekorierten Gruga-Halle in Essen mit langweiligen Regularien – ein kurzer Dank für ausgeschiedene Vorstände und längere Hinweise zur Tagesordnung. Dann aber eine „Anmerkung in eigener Sache“, die der 61-jährige zwar im selben sachlichen Tonfall, in der Mitte des Podiums sitzend, vorträgt, die aber einen Knalleffekt hat: „Ich habe dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, auf der nächsten Sitzung über eine Neubesetzung des Aufsichtsrates zu befinden.“ Rücktritt.

Ebenso verblüfft wie die Aktionäre sollen auch die Aufsichtsräte reagiert haben, als Fischer ihnen die Nachricht kurz zuvor offenbarte. Das Gremium hatte sich traditionell in einem Nebenraum der angegrauten Veranstaltungshalle zurückgezogen. Erst am Ende der Sitzung habe Fischer seine persönliche Ankündigung gemacht, heißt es.

Über Fischers Abgang wurde schon seit knapp zwei Jahren spekuliert – seit er im Juli 2007 als Vorstandschef der WestLB abberufen wurde. Die Bank hatte zuvor durch Fehlspekulationen rund 600 Mio. Euro verloren. Die WestLB musste zwar ein halbes Jahr später erklären, dass sich Vermutungen „über aktive Beiträge“ Fischers nicht bestätigt hätten. Aber ist der „Kaufmann“, wie er im Geschäftsbericht von RWE aufgeführt wird, nach der Affäre noch als Chef des Aufsichtsrats des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns tragbar? Zumal er keine anderen wichtigen Aufgaben mehr hat? Wiederholt wird aus dem Gremium kolportiert, führende Aufsichtsräte suchten nach einer Alternative. Aber rechtlich ist die Lage kompliziert: Aus dem Aufsichtsrat abberufen werden kann ein Mitglied nur durch die Hauptversammlung. Und im Aufsichtsrat eine Mehrheit zur Abwahl des Vorsitzenden zu organisieren ist heikel. Und gewählt ist Fischer bis zur Hauptversammlung 2011.

Aber warum jetzt diese Entscheidung? Fischer führt persönliche Gründe an. Er könne die für diesen wichtigen Job „nötige Präsenz nicht mehr gewährleisten“. Seine Familie betreibt in Kanada, wo er einen Wohnsitz hat, verschiedene Unternehmen. Den Sitz im Aufsichtsrat will er aber offenbar noch behalten.

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