Energiekonzern
RWE fährt Gewinn ein und senkt Gaspreise

Der Energiekonzern RWE will wie die Konkurrenz Anfang des Jahres die Gaspreise senken – und sieht sich gut aufgestellt. So konnte das Essener Unternehmen Umsatz und Betriebsgewinn steigern. Der weltweite Konjunkturabschwung lässt RWE unbedeindruckt. Der Konzern hat nach eigenen Angaben genug Geld auf der hohen Kante – und gewinnt wieder neue Kunden.

HB DÜSSELDORF.Der Versorger RWE hat für das kommende Jahr eine Senkung seiner Gaspreise angekündigt. „Wir gehen davon aus, dass es Anfang 2009 zu einer Senkung kommen wird, wann genau und in welchem Ausmaß kann ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen“, sagte RWE-Finanzvorstand Rolf Pohlig in Essen im Rahmen der Zahlenvorlage für das dritte Quartal. Mehrere andere Versorger hatten in der vergangenen Woche angekündigt, angesichts des fallenden Ölpreises ihre Gaspreise zu reduzieren.

Die RWE-Vertriebsgesellschaften hatten die Gaspreise zuletzt im Juli vergangenen Jahres gesenkt, danach kam es bei den meisten Gesellschaften im Sommer zu einer kleineren und zuletzt im Herbst zu einer deutlichen Erhöhung. Zuletzt hatte RWE-Konzernchef Jürgen Großmann gesagt, im ersten Quartal 2009 wolle RWE über einen solchen Schritt nachdenken. Beim Strom hatten die meisten Vertriebsgesellschaften von RWE zuletzt im Frühjahr an der Preisschraube gedreht.

In den ersten neun Monaten hat der Essener Energiekonzern RWE dank Zuwächsen aus der Stromerzeugung seinen Umsatz und Gewinn über die Markterwartungen hinaus gesteigert. Die Erlöse seien um knapp 14 Prozent auf 34,4 Mrd. Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Das betriebliche Ergebnis sei um 5,1 Prozent auf 5,7 Mrd. Euro verbessert worden. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Umsatz von 33,8 Mrd. Euro gerechnet und das betriebliche Ergebnis auf 5,38 Mrd. Euro beziffert. RWE bekräftigte seine Prognose, wonach das betriebliche Ergebnis im Gesamtjahr mindestens das Vorjahresniveau erreichen soll.

Nach den im Frühjahr vorgenommenen Abschreibungen auf die US-Wassertochter American Water ging zwar der Nettogewinn von Januar bis Ende September um 22 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro zurück. Doch auch hier hatten die Experten RWE mit einem Wert von 1,9 Mrd. Euro weniger zugetraut. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis verbesserte RWE um 20 Prozent auf rund drei Mrd. Euro. RWE kündigte zudem an, dass der Umsatz 2008 um mehr als zehn Prozent steigen soll, nachdem der Konzern zuvor ein Plus von fünf bis zehn Prozent angepeilt hatte.

Besonders positiv: Nach dem massiven Kundenschwund in der ersten Jahreshälfte sieht der Essener Energiekonzern RWE wieder Land. „Zuletzt verzeichneten wir leichte Zuwächse“, teilte der Konzern am Dienstag in seinem Geschäftsbericht mit. Demnach gewann RWE im dritten Quartal per Saldo rund 10 000 Kunden. Damit ist der Versorger allerdings noch weit von seinem Ziel entfernt, die Kundenverluste aus den ersten sechs Monaten möglichst bis zum Jahresende wieder wettzumachen.

Nach den Strompreiserhöhungen zum Januar hatte der Konzern bis Ende Juni rund 200 000 Kunden verloren. Ende September lag das Minus noch bei 190 000. Vor allem die Regionalgesellschaften wie RWE Westfalen-Weser-Ems und RWE Rhein-Ruhr waren vom Kundenschwund betroffen. Die Online-Tochter Eprimo gewann hingegen in den ersten neun Monaten 130 000 Kunden hinzu und kam damit auf 330 000.

Die Umsatzzuwächse in den ersten neun Monaten verdankte der Versorger vor allem seiner Kraftwerkstochter RWE Power, die ihr betriebliches Ergebnis um gut 22 Prozent steigerte. Dabei kam dem Unternehmen die Produktion aus dem Atomkraftwerk Biblis zu Gute, das im Vorjahreszeitraum wegen Reparaturarbeiten stillstand. Die noch im ersten Halbjahr schwache Strom- und Gashandelstochter konnte im dritten Quartal zulegen.

RWE bekräftigte, von der Finanzkrise nur begrenzt betroffen zu sein. Der Konzern verfüge über eine hohe Bonität und bis Ende 2011 nur über einen Refinanzierungsbedarf von 1,2 Mrd. Euro. „Wir können alle Investitionen solide finanzieren“, sagte Konzernchef Jürgen Großmann.

Angesichts der Finanzkrise hält RWE-Chef Jürgen Großmann die Zeit für Zukäufe für günstig. „Wir können uns für dasselbe Geld heute mehr leisten als vor einem halben Jahr“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Essener Versorgers der „Süddeutschen Zeitung“. Interessiert sei der Konzern am Ausbau seiner Kapazitäten zur Stromerzeugung wie auch an weiteren Engagements in Mittel- und Osteuropa. RWE wolle auch nach Russland, bestätigte Großmann. Dabei stehe der Konzern aber nicht unter Zeitdruck.

Angeblich soll RWE auch an der zum Verkauf gestellten niederländischen Essent interessiert sein, hierfür gibt es aber keine Bestätigung. Experten rechnen für den europäischen Energiemarkt erstmal mit einem Rückgang bei großen Fusionen und Übernahmen, wegen schrumpfender Liquidität und steigenden Kosten für die Finanzierung. RWE spricht dagegen von einer soliden Finanzierungslage. „Wir haben unser Pulver trocken gehalten“, sagte der Konzernchef der Zeitung.

Der Einstieg in Windparks oder in Anlagen für andere erneuerbare Energien sei nun wesentlich leichter als vor der Finanzkrise, heißt es bei RWE. „Da kommen deutlich mehr Angebote auf den Markt“, sagt Großmann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%