Energiekonzern soll von schadhaften Strommasten gewusst haben
RWE nach Stromausfällen unter Druck

Der Stromversorger RWE soll schon vor Jahren von vielen schadhaften Strommasten gewusst haben. Teilweise hätten bis zu 60 Prozent der Masten schwerwiegende Materialfehler gehabt, berichtete am Samstag der „Spiegel“ unter Berufung auf interne Vorstandsberichte aus dem Jahr 2003.

HB HAMBURG. Viele würden demnach nicht einmal 40 Prozent der normalen Zugbelastung standhalten. Dieses Problem sei schon seit dem Jahr 2000 bekannt. In einer Analyse des Jahres 2002 hätten RWE-Manager sogar strafrechtliche Konsequenzen bei Personenschäden kalkuliert. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen solchen Unfall werde mit „bis zu zehn Prozent“ eingeschätzt, wie das Magazin aus den internen Papieren zitiert. RWE habe diese brisanten Informationen trotz der Warnungen der zuständigen Fachabteilungen nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch Behörden seien nicht unterrichtet worden.

RWE wies diese Vorwürfe am Samstag zurück. Nach Angaben des Konzerns sei bereits im Jahr 2001 ein Instandhaltungskonzept zur Mastsicherheit mit einem Volumen von 550 Millionen Euro beschlossen worden. Im Vorfeld dieser Entscheidung war bekannt geworden, dass sich der für Hochspannungsmasten in Europa oft verwendete so genannte Thomasstahl spröde werden könnte. Der Energiekonzern habe vor Jahren seine Hochspannungsmasten daraufhin kontrolliert und einen unabhängigen Experten eingeschaltet.

Der Konzern hatte bereits am Freitag mitgeteilt, dass keine der in Mitteleuropa verwendeten neuen Masten der Naturkatastrophe standgehalten hätten. Die Schuldzuweisungen seien nicht sachgerecht. Trotzdem werde ein unabhängiger Gutachter das Geschehen analysieren. Nach Aussage von RWE sollen bis 2015 Tausende alte Strommasten saniert werden. Das Konzept sei schon vor Jahren erarbeitet worden. Von den 2.900 schlimmsten Masten seien bereits 70 Prozent saniert.

Nach einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ erwägen die Betreiber eines Windparks juristische Schritte, weil sie von den Stromausfällen vor einer Woche im Münsterland betroffen waren. Auch hier stünden die Strommasten im Mittelpunkt der Kritik. RWE Energy hält dagegen die Vorwürfe für unbegründet. „Keiner der Masten, die draußen stehen, hat Rost“, sagte Sprecher Martin Haase laut „WAZ“.

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