Energiekonzern weiter an Einstieg interessiert
RWE gerät wegen EnBW bei Steag-Plänen ins Stocken

Ungeachtet der geplanten strategischen Allianz der Energie Baden-Württemberg (EnBW) und der RAG-Tochter Steag will der Energiekonzern RWE nach wie vor beim Kohleverstromer Steag einsteigen. In Branchenkreisen hieß aber, die entsprechenden Gespräche zwischen RWE und der RAG seien ins Stocken geraten.

HB DÜSSELDORF. „Wir stehen zu unserer im vorigen Sommer erzielten Eckpunktevereinbarung mit RAG“, sagte ein RWE-Sprecher am Mittwoch in Essen. Darüber führten beide Seiten intensive Gespräche. Damals hatten RWE und der Bergbau- und Chemiekonzern RAG eine engere Zusammenarbeit vereinbart, die sich unter anderem in einer Beteiligung von RWE an der Steag niederschlagen sollte. Dagegen hieß es in Branchenkreisen, der Gesprächsfaden sei offiziell zwar noch nicht abgerissen, die Neigung zu Verhandlungen sei inzwischen aber eher verhalten.

Die Steag hatte am Dienstag eine enge Kooperation mit dem RWE-Konkurrenten Energie Baden-Württemberg (EnBW) angekündigt. Danach beziehen die Karlsruher aus dem neuen Steag-Kraftwerk in Duisburg-Walsum ab 2010 über 20 Jahre lang Strom. Außerdem erwägen beide Seiten, zusammen Kraftwerke zu bauen und zu betreiben.

„Durch die Kooperation der Steag mit EnBW ist der RWE-Deal nicht gerade wahrscheinlicher geworden“, sagte ein mit dem Vorgang vertrauter Branchenvertreter gegenüber Reuters. Ein Steag-Sprecher sagte, die Verhandlungen zwischen beiden Seiten gingen weiter. RWE-Chef Harry Roels hatte Ende 2004 erklärt, man werde die Option zum Einstieg mit bis zu 25 % bei Steag wahrscheinlich ausüben. Im März hatte er die lange Dauer der Verhandlungen noch damit begründet, dass Steag seit Jahresbeginn als neue Energiesparte unter dem RAG-Dach eine neue Struktur bekommen habe und man daher keinen Druck machen wollte.

Bislang nimmt RWE rund 80 % des Stroms der Steag ab. Die meisten ihrer Kraftwerke liegen im Rhein-Ruhr-Raum und damit im angestammten RWE-Versorgungsgebiet. Ein eigenes Leitungsnetz hat die Steag nicht. RWE hat daher seit Jahren ein starkes Interesse an der Steag bezeugt und zeitweilig sogar deren kompletten Kauf erwogen.

RWE ist mit rund 30 % an der RAG beteiligt und damit zweitgrößter Aktionär nach dem Düsseldorfer Konkurrenten Eon, der rund 40 % der Anteile hält. Mit rund zehn Prozent ist auch der Industriekonzern ThyssenKrupp noch Großaktionär bei RAG. Die frühere Ruhrkohle hatte die Branche vor wenigen Wochen mit der Ankündigung überrascht, sie wolle in einem Jahr an die Börse gehen. Nach den bislang bekannt gewordenen Details will Konzernchef Werner Müller, dass die bisherigen Eigentümer ihre Anteile abgeben und der Erlös aus dem Börsengang an den Bund fließen soll. Der Bund wiederum soll der RAG im Gegenzug die Risiken aus dem Bergbau abnehmen.

In Kreisen der drei großen Unternehmen hieß es, die Börsenpläne steckten noch in den Kinderschuhen. Die von Müller vorgesehene Abgabe der Anteile der Großaktionäre zu einem symbolischen Preis von einem Euro könne den eigenen Aktionären nur schmackhaft gemacht werden, wenn man im Gegenzug Zugeständnisse von der RAG bekomme. Für RWE könnte ein solches Zugeständnis ein verbesserter Zugang zur Steag sein.

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