Energiekonzern will aber im Ausland zukaufen
Enel erwägt kein Gegengebot für Endesa

Der italienische Energiekonzern Enel plant Zukäufe im Ausland, will sich aber nicht in den Übernahmekampf um den spanischen Stromversorger Endesa einmischen. „Enel wird kein Gegengebot vorlegen“, stellte der neue Vorstandsvorsitzende Fulvio Conti gestern bei der Vorlage der Halbjahresbilanz klar. Er schloss jedoch nicht aus, dass Enel einzelne Bereiche kaufen könnte.

kk MAILAND. Enel beobachte den spanischen Markt genau und werde zugreifen, sollte der Gasversorger Gas Natural, der Endesa übernehmen will, Teile des Unternehmens zum Verkauf stellen.

Gas Natural, die Nummer eins auf dem spanischen Gasmarkt, hatte am Montag ein feindliches Übernahmeangebot für den führenden Stromkonzern des Landes im Volumen von knapp 23 Mrd. Euro unterbreitet. Endesa arbeitet an einer Abwehrstrategie und ist dabei offen für Partner. Sollte Gas Natural allerdings erfolgreich sein, dürfte der Konzern aus kartellrechtlichen Gründen gezwungen sein, Teile von Endesa zu verkaufen.

Branchenexperten sehen in dem Übernahmekampf den Auftakt einer neuen Fusionswelle in Europa, an der sich auch Enel beteiligen dürfte. Das Unternehmen habe 15 Mrd. Euro für Zukäufe zur Verfügung, sagte Conti. Er setzt dabei vor allem auf Akquisitionen im Ausland. Allein durch den Verkauf der Tochter Wind an einen ägyptischen Telekommunikationskonzern kommen mehr als drei Mrd. Euro in die Enel-Kassen und der Verkauf von Anteilen des Stromnetzbetreibers Terna bringt mehr als eine Mrd. Euro in diesem Jahr. Conti will jedoch nicht um jeden Preis investieren: „Sollten wir bis 2007 keine Akquisitionen finden, die unseren Kriterien entsprechen, werden wir der Hauptversammlung ein Aktienrückkaufprogramm vorlegen.“

Trotz rückläufiger Gewinne hat der Versorger die Erwartungen der Analysten mit seinem Halbjahresergebnis übertroffen. Für das Gesamtjahr versprach Vorstandschef Conti einen höheren Gewinn als im Vorjahr. Dazu wird auch der Verkauf von Wind beitragen, der in die zweite Jahreshälfte fällt.

Der ehemalige Staatskonzern ist der größte Versorger Italiens. Ohne die Tochter Wind und die Beteiligung am Stromnetzbetreibers Terna hat Enel mehr als 53 000 Mitarbeiter weltweit. In den ersten sechs Monaten diesen Jahres hat das Unternehmen mit Sitz in Rom den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 16,8 Mrd. Euro gesteigert. Der Nettogewinn ging dagegen um 17 Prozent auf zwei Mrd. Euro zurück. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Ergebnis von 1,8 Mrd. Euro gerechnet.

Der Vergleich zum Vorjahr fällt auch schlecht aus, weil Enel 2004 einen großen Sondergewinn durch den Verkauf einer Tranche von Terna-Anteilen verbuchte. Im zweiten Halbjahr 2005 wird Enel dagegen von neuen Sondereffekten – dem Verkauf von Wind und weiteren Terna-Anteilen – profitieren und damit das Ergebnis verbessern.

Der größte Wachstumstreiber im vergangenen Halbjahr war die Stromerzeugung und der Stromhandel. In diesem Bereich steigerte Enel den Umsatz um ein Fünftel und den Vorsteuergewinn um mehr als ein Viertel. Der Umsatz beim Stromvertrieb ging dagegen um 3,7 Prozent zurück. Mit der vergleichsweise kleinen Gassparte hat das Unternehmen 13,5 Prozent mehr umgesetzt als in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres.

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