Energiekonzern zahlt 13,1 Milliarden Dollar für Sibneft
Gazprom strebt an die Weltspitze

Der weltweit führende Gaskonzern, Gazprom, übernimmt den fünftgrößten russischen Ölförderer Sibneft. Gestern teilte das Unternehmen mit, die Mehrheit der Anteile für 13,1 Mrd. Dollar zu kaufen. Damit unterstreicht Gazprom seinen Anspruch, mittelfristig zum weltweit führenden Energiemulti aufzusteigen.

MOSKAU. Zugleich verstärkt der russische Staat, der Gazprom kontrolliert, seinen Zugriff auf die Energiebranche. Gazprom-Chef Alexej Miller begründete den Deal mit den Worten: „Wir setzen zielstrebig unsere strategische Aufgabe um, unser Geschäft zu diversifizieren.“ Eine Übernahme von Sibneft durch Gazprom lag seit Wochen in der Luft. Dem Sibneft-Mehrheitseigentümer Roman Abramowitsch, der gleichzeitig Besitzer des britischen Fußballvereins FC Chelsea ist, waren Verkaufsabsichten nachgesagt worden. Nun hat er sein 72,7-prozentiges Aktienpaket an Gazprom abgegeben. Zwölf der 13,1 Mrd. Dollar leiht sich Gazprom von einem Bankenkonsortium unter Führung von ABN Amro und Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Gazprom vervierfacht durch die Sibneft-Übernahme seine Ölproduktion auf 1,2 Mill. Barrel (je 159 Liter) am Tag. Zum Vergleich: Der größte heimische Konkurrent, die ebenfalls staatliche Rosneft, fördert bisher 1,5 Mill. Fass Rohöl täglich. Der Kreml hat somit seine Kontrolle über die Ölindustrie seit Ende 2003 von sieben Prozent auf 30 Prozent ausgeweitet. „Der Staat wird auf absehbare Zeit den russischen Energiesektor beherrschen“, meint Chris Weafer von der Moskauer Alfa-Bank.

Um weltweit größter Energiekonzern zu werden, muss Gazprom allerdings noch erheblich im Ölsektor wachsen: Im Gegensatz zu Multis wie Exxon-Mobil, Shell oder BP mit einem Erdölanteil von 55 Prozent an der Gesamtproduktion kommt Gazprom nach dem Sibneft-Kauf bisher erst auf elf Prozent Ölanteil. Gas bestimmt auch weiterhin das Geschäft.

Zusätzlich zu dem Abramowitsch-Paket hat sich Gazprom weitere drei Prozent der Sibneft-Aktien über die Börse zugekauft. Damit will der Konzern nach Ansicht von Analysten ausschließen, dass der Rivale Rosneft über eine qualifizierte Minderheit von 25 Prozent noch Einfluss auf Sibneft bekommt.

Eine begründete Befürchtung: Schließlich bekäme Rosneft 20 Prozent der Sibneft-Anteile, die bisher dem Ölkonzern Yukos gehören, wenn sich der Ölkonzern wie erwartet per Gericht auch den Rest von Yukos einverleiben dürfte.

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