Energiekonzerne
Eon will sein Stromnetz verkaufen

Die Stromkonzerne stellen die Weichen für einen Verkauf ihrer Übertragungsnetze. Eon bereitet nach Informationen des Handelsblattes aus Branchenkreisen eine Veräußerung vor. Die Überlegungen seien schon sehr weit gediehen, hieß es.

BERLIN. Konzernchef Wulf Bernotat habe Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang dieser Woche telefonisch über die Pläne informiert. Die Kanzlerin sei überrascht gewesen. Ein Unternehmenssprecher wollte die Informationen nicht weiter kommentieren. Auch bei den anderen drei Übertragungsnetzbetreibern – RWE, EnBW und Vattenfall - wird das Thema intensiv diskutiert.

Die Nachricht platzt in die Sitzung des EU-Energieministerrates am Donnerstag. Dort geht es um die Pläne der EU-Kommission zur Zerschlagung der Energiekonzerne. Die Bundesregierung hatte sich in den vergangenen Wochen vehement gegen die zwangsweise Abspaltung der Strom- und Gasnetze ausgesprochen, wie sie insbesondere Energiekommissar Andris Piebalgs fordert. Aus Sicht des Kommissars ist die Abtrennung der Netze eine Grundbedingung für mehr Wettbewerb im Energiesektor.

Die Kehrtwende kommt überraschend und durchkreuzt die Pläne der Bundesregierung, die sich dafür stark macht, die zwangsweise Abtrennung zu verhindern. Kürzlich hatte Deutschland deshalb gemeinsam mit sieben anderen EU-Staaten ein Gegenmodell vorgestellt, den sogenannten „Dritten Weg“. Das Konzept sieht vor, dass die Unternehmen Eigentümer ihrer Netze bleiben; ein diskriminierungsfreier Netzbetrieb soll durch umfassende organisatorische Maßnahmen sichergestellt werden.

Außerdem sollen die Regulierungsbehörden größeren Einfluss erhalten. Die Energiekonzerne unterstützen das Konzept der Bundesregierung ausdrücklich.

Allerdings sind in den Unternehmen in den vergangenen Tagen die Zweifel gewachsen, ob sich der „Dritte Weg“ am Ende nicht als Sackgasse entpuppen könnte. Zwar hat die Kommission zuletzt angedeutet, das Konzept komme durchaus als Option in Betracht (Handelsblatt vom 27.2.2008).

Die Kommission will die Zustimmung jedoch an zusätzliche strenge Auflage knüpfen. Ähnliche Signale kommen von der slowenischen Ratspräsidentschaft. In der Vorlage der Ratspräsidentschaft für die heutige Sitzung der EU-Energieminister heißt es, der deutsche Vorschlag müsse um „zusätzliche Sicherungsklauseln“ ergänzt werden, die die unternehmerische Unabhängigkeit der Netzbetreiber sicherstellen.

„Es kommt der Punkt, da hat man an den Netzen einfach keine Freude mehr“, sagte ein Branchenexperte. Offensichtlich wolle die Kommission den deutschen Alternativvorschlag so sehr mit zusätzlichen Bedingungen überfrachten, dass er nicht mehr praktikabel wäre. „Wenn wir gar keinen Einfluss mehr auf die Netze haben, dann können wir sie auch abgeben“, heißt es in der Branche.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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