Energiekonzerne
Konkurrenten greifen Vattenfall an

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall bekommt Ärger aus den eigenen Reihen: Die drei Kernkraftbetreiber Eon, RWE und EnBW haben ihren Konkurrenten in einem Schreiben in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Scharf rügen sie die Kommunikationspolitik nach der Panne im Kernkraftwerk Krümmel. Die Branche sorgt sich um ihr Image.

DÜSSELDORF. Die drei Kernkraftbetreiber Eon, RWE und Energie Baden-Württemberg (EnBW) haben in ungewöhnlich scharfer Form ihren Konkurrenten Vattenfall kritisiert. In einem gemeinsamen Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, rügen sie die Kommunikationspolitik des schwedischen Konzerns nach der Panne in seinem Kernkraftwerk Krümmel scharf. Sie fordern das Management auf, in der Debatte während des Bundestagswahlkampfs Stellung zu beziehen. Die Branche fürchtet um die erhoffte Revision des Atomausstiegs nach der Wahl - oder zumindest teure Gegenleistungen für längere Laufzeiten. Im September plant sie deshalb eine Imagekampagne.

"Wir sehen Vattenfall (...) nach wie vor in der Pflicht, zu den Ereignissen und Vorgängen zu Krümmel öffentlich Stellung zu beziehen. Dies ist in den letzten Tagen nicht immer geschehen. Vielmehr mussten wir feststellen, dass sich der Vattenfall-Konzern in dieser Frage zurückhält bzw. sich der Diskussion entzieht", heißt es in dem Schreiben. Es datiert zwar schon vom 28. Juli. In Kreisen der beteiligten Unternehmen hieß es jedoch, bislang habe sich an dieser Einschätzung nichts Wesentliches geändert.

Der Fall Krümmel liefert seit knapp zwei Monaten den Kernkraftgegnern willkommene Munition. Am 4. Juli musste der Reaktor nach einem Kurzschluss in einem Transformator vom Netz. Dabei hatte Vattenfall die Anlage erst kurz zuvor nach einem zweijährigen Stillstand wieder hochgefahren. Kritiker werfen Vattenfall deshalb eine mangelhafte Sicherheitskultur vor.

Für die Branche kommt die Debatte zur Unzeit. Sie hatte in der Bevölkerung eine steigende Zustimmung für die umstrittene Technik verspürt und bei einem Wechsel zu einer schwarz-gelben Bundesregierung auf eine Änderung des 2002 unter Rot-Grün beschlossenen Atomausstiegs gehofft. Die vier Betreiber wollen ihre Kernkraftwerke länger als derzeit geplant am Netz lassen und würden daran kräftig verdienen.

Unterzeichnet haben den Brief Klaus-Dieter Maubach, Chef von Eons größter Tochter Eon Energie, Gerd Jäger, im Vorstand der Kraftwerksgesellschaft RWE Power für Kernenergie zuständig, und Hans-Josef Zimmer, technischer Vorstand bei EnBW. Adressiert ist er an den Atomchef von Vattenfall in Deutschland, Ernst Michael Züfle.

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