Energiekonzerne
Netzagentur prüft Rechnungen von Energiekonzernen

Die Bundesnetzagentur hat gegen die vier großen deutschen Energiekonzerne ein Verfahren wegen angeblich überzogener Rechnungen eingeleitet. Ein Sprecher der Behörde sagte, man prüfe, ob Eon, RWE, Vattenfall Europe und EnBW den Kunden ungerechtfertigt Kosten für die Bereitstellung von Stromreserven berechnet hätten.

HB DÜSSELDORF. Die Konzerne müssen solche Reserven vorhalten, um Schwankungen in der Nachfrage oder der Produktion ausgleichen zu können.

Behördenpräsident Matthias Kurth reagiert mit der Prüfung auf einen Antrag des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick und des Bundesverbands Neuer Energieanbieter (BEN). Ein Lichtblick-Sprecher sagte, in den vergangenen zwei Jahren hätten die Netzbetreiber rund 800 Mill. Euro zu viel kassiert. "Wir haben die Bundesnetzagentur aufgefordert, die Mehrkosten der letzten beiden Jahre zurückzufordern."

Die Konzerne sollten damit gedrängt werden, Schwankungen nicht nur in ihren eigenen Netzgebieten, sondern verstärkt auch untereinander auszugleichen, sagte der Lichtblick-Sprecher. Zu oft werde Ausgleichsstrom im Gebiet eines Versorgers produziert, obwohl ein anderer einen Überschuss an Strom habe. Dadurch entstünden vermeidbare Kosten, die Netznutzer wie Lichtblick an ihre Kunden weiterreichen müssten. Die Belastung bei Lichtblick betrage mehrere hunderttausend Euro pro Jahr. Bis Juli wird mit einer Entscheidung gerechnet. "Wir erwarten keine Auszahlung." Sollten die Stromkonzerne zahlen müssen, lande das Geld wohl in der Staatskasse oder bei der Netzagentur.

Die großen Übertragungsnetze sind in Deutschland in der Hand der vier Energieriesen. Jedes Unternehmen ist in einer Zone für den sicheren Betrieb verantwortlich. Kritiker bemängeln die Zersplitterung in mehrere Zonen. Gäbe es nur eine, würden solche Kosten nicht anfallen.

Eon und RWE wiesen die Vorwürfe zurück. "Die Beschaffung der Ausgleichsenergie erfolgt zentral über eine gemeinsame Plattform der vier Übertragungsnetzbetreiber nach den Vorgaben des Gesetzgebers und des Regulierers", sagte ein Sprecher von Eon Netz. RWE verwies darauf, dass es in 24 Staaten auf dem Kontinent 29 Zonen von ebenso vielen Netzbetreibern gebe. "Es ist ein europäisches System und kein spezifisch deutsches", sagte ein Sprecher von RWE Transportnetz Strom. "Die genannten Kosten entsprechen nicht der Realität und sind viel zu hoch." Beziffern wollte er sie nicht.

Der Fall möglicherweise überhöhter Stromrechnungen zeigt nach Ansicht der Grünen-Fraktionschefin Renate Künast, dass die Stromkonzerne in Deutschland ihre Marktmacht missbrauchen. Die Nachlässigkeit der Bundesregierung bei der Missbrauchskontrolle sei ein "eklatanter Fehler", sagte Künast in Berlin.

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