Energiekonzerne
RWE prescht bei Gaspreisen vor

Der Energiekonzern RWE hebt im Gegensatz zu den meisten deutschen Versorgern zum 1. Juli in seinem Stammgebiet die Gaspreise an. Im Oktober, wenn die Heizperiode beginnt, dürften weitere Unternehmen folgen.

DÜSSELDORF. Mit der Preiserhöhung von RWE zeichnet sich für Herbst bereits die nächste Stufe im erbitterten Streit zwischen Verbraucherschützern und der Branche über die hohen Energiepreise ab.

Die Regionalgesellschaften RWE Westfalen-Weser-Ems und Rhein-Ruhr erhöhen den Gaspreis je Kilowattstunde um 0,29 Cent vor Steuern. Für ein Einfamilienhaus steigt die Rechnung damit um durchschnittlich gut fünf Prozent. Betroffen sind rund 500 000 Kunden. Die Importpreise seien im ersten Halbjahr um 13,5 Prozent gestiegen, erklärte RWE.

In den vergangenen zwei Jahren hatten die deutschen Versorger bereits mehrfach ihre Haushaltstarife deutlich angehoben und dies mit dem hohen Ölpreis begründet – der Gaspreis ist in den Verträgen, die die Importeure mit den Produzenten und die Kommunalversorger wiederum mit den Importeuren schließen, traditionell an den Ölpreis gekoppelt.

Verbraucherschützer, Politiker und das Bundeskartellamt werfen den Konzernen dagegen vor, ihre Marktmacht für übertriebene Steigerungen auszunutzen. Tausende von Kunden verweigern die Zahlung. Mehrere Gerichte erklärten die Erhöhungen als unzureichend begründet und die Preisschritte für nichtig.

In diesem Quartal ist RWE eines von wenigen Unternehmen, das die Preise erhöht. Eon etwa hält bei all seinen Regionalversorgern die Tarife zunächst konstant, schließt aber eine Erhöhung im Herbst nicht aus. Von 16 Kommunalversorgern, die das Fachblatt „Energie Informationsdienst“ (EID) regelmäßig befragt, heben nur zwei Versorger ihre Tarife zum 1. Juli an, ein Unternehmen senkt den Tarif leicht.

„Es kann sein, dass der eine oder andere wegen des öffentlichen Drucks auf eine Erhöhung verzichtet“, sagt EID-Chefredakteur Rainer Wiek: „Nach der klassischen Anpassungsformel ist eine Erhöhung aber eigentlich auch nicht gerechtfertig.“ Bei dieser Regel bildet der Gaspreis, den die Versorger an die Importeure bezahlen, die durchschnittliche Entwicklung der Heizölpreise innerhalb eines halben Jahres ab, wird mit einer Zeitverzögerung von drei Monaten angepasst und ist dann drei Monate lang gültig. In den relevanten Monaten Oktober bis März sei der Heizölpreis weitgehend konstant geblieben, sagt Wiek.

Allerdings sind die Preisklauseln in den Importverträgen unterschiedlich. RWE etwa soll die Preise nur mit einer Zeitverzögerung von einem Monat anpassen. Für das Unternehmen wäre deshalb die Heizölpreisentwicklung von Dezember bis Mai relevant. „Und in diesem Zeitraum hat sich der Heizölpreis tatsächlich erhöht“, sagt Wiek.

Thomas Bernhard, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, schüttelt über dieses System den Kopf: „Für die Kunden ist es nicht nachzuvollziehen, ob eine Preisanpassung angemessen ist – vor allem wenn ein Unternehmen wie RWE sowohl Importeur als auch Lieferant von Endkunden ist.“ Die Verbraucherzentrale bereitet bereits eine Musterklage gegen RWE vor. „Wir wollen erreichen, dass die Versorger nachvollziehbare und plausible Begründungen für ihre Erhöhungen geben müssen“, sagt Bernhard. Die Verbraucherschützer haben dazu mehr als zwei Dutzend Verbraucher gefunden, die mit ihrer Unterstützung gegen RWE klagen werden.

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