Energiekonzerne
Wirrwarr im Stromnetz

Die Zukunft des deutschen Stromnetzes ist völlig offen: Gingen die vier großen Netzbetreiber noch vor einem halben Jahr gemeinsam gegen die von der EU-Kommission angestrebte Zerschlagung vor, kocht nun jeder Konzern sein eigenes Süppchen. Überraschend stellt nun Vattenfall seine Stromleitungen zum Verkauf - und bringt die Konkurrenz in Zugzwang.

DÜSSELDORF. Alle vier großen Netzbetreiber verfolgen inzwischen unterschiedliche Strategien, um die von der EU-Kommission geforderte Zerschlagung abzuwenden. Mit Vattenfall Europe leitet jetzt das erste Unternehmen freiwillig die Suche nach einem Käufer für sein Höchstspannungsnetz ein. Damit rückt die von Konkurrenten angedachte Gründung einer Deutschen Netz AG, die alle vier Gebiete vereinigen könnte, in weite Ferne.

Noch vor einem halben Jahr hatten die vier Betreiber der großen Höchstspannungsleitungen für den überregionalen Stromtransport, Eon, RWE, Vattenfall und Energie Baden-Württemberg (EnBW) gemeinsam Front gegen die EU-Kommission gemacht. Diese kämpft seit über zwei Jahren für eine Entflechtung der Energiekonzerne. Sie will den Betrieb der Netze von Produktion und Vertrieb trennen, um Konkurrenten eine faire Nutzung der Leitungen zu gewährleisten und so den Wettbewerb in Schwung zu bringen.

Die Abwehrfront fing an zu bröckeln, als Deutschlands größter Energiekonzern Eon Ende Februar überraschend einen Deal mit der EU-Komission schloss. Er erklärte sich zum Verkauf seiner Überlandleitungen bereit, um sich im Gegenzug von laufenden Kartellverfahren der EU-Kommission freizukaufen.

Nun hat Vattenfall sogar aus Eigeninitiative beschlossen, den Verkaufsprozess für sein eigenes, 9 500 Kilometer langes Netz einzuleiten. Die Tochter des schwedischen Vattenfall-Konzerns will potenzielle Investoren ansprechen und ihnen ein vertrauliches Informationspaket zustellen. "Wir haben in den vergangenen Monaten intensiv alle Optionen geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Verkauf unseres Höchstspannungsnetzes an einen seriösen und finanzstarken Investor eine sinnvolle Lösung sein könnte", erläuterte Vorstandschef Tuomo Hatakka. Sollte das Unternehmen einen solchen finden, soll der Verkauf spätestens in der ersten Hälfte 2009 abgeschlossen sein. Vattenfall Europe begründete die Entscheidung, den Verkauf einzuleiten, mit der anhaltenden Unsicherheit über die politischen Rahmenbedingungen.

Die Entscheidung kommt nicht völlig überraschend: Vattenfall hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrmals öffentlich mit dem Gedanken gespielt. Jetzt schafft das Unternehmen aber Fakten und setzt damit zum einen die Konkurrenten RWE und EnBW unter Druck, die nach wie vor ihre Stromnetze behalten wollen.

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