Energieland Nordrhein-Westfalen Strompreis elektrisiert die Wähler in NRW

Nordrhein-Westfalen ist das Energieland der Bundesrepublik - und bei den Bürgern steigt die Wut über die hohen Preise. Deswegen ist vor der Landtagswahl klar: Der künftige Regierungschef muss die Energiewende meistern.
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Neue Trassen für neue Energie

DüsseldorfDie Energiewende fokussiert sich immer mehr auf die eine Frage: Wer zahlt die Zeche für den Umstieg auf sauberen Strom? Viele Bürger haben dazu eine klare Meinung. Sie sind der Ansicht, dass sie jetzt schon genug für Energie bezahlen. So erklärt bei einer Umfrage auf der Facebook-Seite des Handelsblatts eine deutliche Mehrheit, dass sie nicht bereit ist, für sauberen Strom mehr als bisher zu zahlen.

Für viele ist der heutige Strompreis schon nicht mehr zu verkraften. Laut einer Umfrage der Verbraucherschützer bei den Energieversorgern wird pro Jahr bei rund 600.000 Haushalten aufgrund nicht gezahlter Rechnungen der Strom gesperrt. Und es wird noch schlimmer. Nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey werden die Stromverbraucher im Jahr 2020 Kosten von 21,5 Milliarden Euro tragen müssen, die durch den Umstieg auf umweltfreundliche Energie verursacht werden. Das sind rund 60 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.

Kein Wunder, dass die Energiepolitik auch die Wahl im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland bestimmt. Zehn Tage sind es noch bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Am 13. Mai werden die Bürger an die Wahlurne gerufen. Dann geht es nicht nur um die Verschuldung des Landes, die Schul- oder die Verkehrspolitik – die Wähler beeinflussen mit ihrer Stimme auch die künftige Wirtschaftspolitik.

Seit dem vorgezogenen Atomausstieg in Deutschland nach der Katastrophe von Fukushima steht das Thema „Energiewende“ hin zur Stromproduktion mit erneuerbaren Energien auf der Agenda dabei ganz oben. Am gestrigen Mittwoch erst versammelte Angela Merkel (CDU) im Bundeskanzleramt Vertreter von Kraftwerksbauern, Netzbetreibern und Energieversorgern zu einem Spitzentreffen.

Doch über die Energiewende wird längst nicht nur im Bund entschieden. Die Länder sind gefragt, müssen mitspielen – und dementsprechend mit entscheiden. „Kein Bundesland ist so darauf angewiesen, dass die Energiewende gelingt wie Nordhein-Westfalen“, sagt Thomas Eiskirch, wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der bisherigen SPD-Landtagsfraktion zu Handelsblatt Online.



Denn NRW ist nicht nur Deutschlands wichtigster Industriestandort, NRW ist auch das Energieland Nummer eins. 138 Terawattstunden (TWh) wurden im Jahr 2010 an Rhein und Ruhr verbraucht. Das war mehr als ein Viertel des bundesdeutschen Stromverbrauchs von 516,1 TWh. Knapp die Hälfte des Stroms (65 TWh) wurde in NRW allein in der Industrie benötigt.

Und im bevölkerungsreichsten Bundesland wird auch viel Energie produziert. 178 TWh  waren es nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes für 2010. Das waren gut 28 Prozent der Brutto-Stromerzeugung Deutschlands. Doch wirklich viel Strom aus erneuerbaren Energien floss noch nicht in den Leitungen Nordrhein-Westfalens. Der Anteil der Stromproduktion aus den Regenerativen betrug nur gut sechs Prozent, deutschlandweit lag er mit mehr als 16 Prozent dagegen weitaus höher.

Genau da liegt das Problem. Das Energieland NRW muss eine Vorreiterrolle spielen, hinkt aber hinterher. Auch wenn die letzten Daten aus dem Jahr vor dem Ausruf der Energiewende stammen.

Die Industrie wartet auf neue Kraftwerke
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32 Kommentare zu "Energieland Nordrhein-Westfalen: Strompreis elektrisiert die Wähler in NRW"

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  • Hallo Steuerklasse 1 ...Ich hatte ein paar Jahre in einem arabischen Land gelebt. Stromrechnung für 6000kWh monatlich 200$. Mein Arbeitgeber hat ca. 2,8c/kWh für den Industriestrom bezahlt. Jetzt lebe ich in einem anderen Nicht-EU Land. Arbeitspreis Haushaltsstrom ca. 7c/kWh, für den Kernstromtarif.

    Abseits der bereits teilweise nach (öko)religiösen Illusionen gestalteten Stromvrsorgung Deutschlands sind die genannten Strompreise vollkommen abwegig.

    Vandale

  • Der Spruch von Relax, dass "Sonne, Wind und Erdwärme" umsonst sind ist ökoreligiöse Propaganda für einfache Geister.

    Auch Kohleflöze, Oellagerstätten und Uranerzlagerstätten schicken keine Rechnung. Die Kosten entstehen dabei diese Resourcen in den Tank, oder in die Steckdose zu bringen.

    Die Energiedichte von Wind, Sonne sind zu gering und zu unstetig um diese industriell nutzen zu können. Abseits der Oekoreligion würde niemand auf die Idee kommen diese für eine Energieversorgung nutzen zu wollen.

    Da man für Windmühlen und Solarzellen enorme Materialmengen benötigt um geringe Mengen wertlosen Zufallsstroms zu gewinnen, kann man davon ausgehen, dass sobald das Kostensenkungspotential der Produktionsverlagerung nach China ausgeschöpft ist, auch die Preise umweltschädlichen Wind- und Solarstroms steigen werden.

    Der Kohleweltmarktpreis ist in den vergangenen 5-10 Jahren von ca. 50 auf 150$/to SKE gestiegen. Hauptgrund ist das China vom Exporteur zum Kohleimporteur geworden ist. Mittlerweile werden neue Gruben, Bahnlinien und Häfen für den Kohleexport erschlossen so dass der Kohlepreis in den kommenden 10 Jahren eher sinken, denn steigen dürfte.
    Der Erdgaspreis ist in Nordamerika aufgrund der Erschliessung unkonventionellen Erdgases zusammengebrochen. Auch andere Länder haben unkonventionelle Gasvorkommen, so dass auch der Erdgaspreis eher sinken denn steigen dürfte.

    Vandale

  • Die Scheinheiligkeit der SPD ist nicht zu übertreffen:
    Die Grünen-Politgruppen sind unter anderem mit Argumeneten des Landesentwicklungsplanes NRW vor Gericht gegangen, der von ROR/GRÜN in 1 9 9 6 verabschiedet und danach nicht mehr verändert wurde. Dieses ca. 15 Jahre !!!!!alte Konzept wird von der SPD "Kraft" den Juristen überlassen statt selbst aktiv zu werden.
    Das ist politische Arbeitsverweigerung!

  • @Relax Das "Spielchen" kenne ich auch, aber es funktioniert nicht mehr: Lesen Sie mal das Kleingedruckte der Billig-Stromanbieter in neuester Fassung, dann werden Sie feststellen, daß man die Wechselgutschrift oder den Erstkundenbonus nur dann bekommt, wenn man NICHT nach 1 Jahr gleich wieder den Anbieter wechselt. D.h. will man die Gutschrift, dann muss man die Erhöhung des Arbeitspreises nach 1 Jahr erleiden, will man Wechseln, muss man auf die Gutschrift verzichten.
    Das "Spiel" mit dem Wechseln ist aus, befürchte ich.

    Eine andere Möglichkeit sind die günstigeren Preise durch Vorauszahlungen bzw. kWh-Pakete. Diese mögen je nach der individuellen Situation die Energiekosten senken, aber wie man bei TelDaFax gesehen hat, riskiert man dann einen Totalverlust wenn der Stromanbieter pleite geht.

  • Daß so viele AKW nahe "Erdbebengebieten" liegen ist weder Zufall noch Verschwörung. Die tektonischen Platten sehen so aus, daß deren Konturen entlang den Küsten verlaufen, wie z.B. an Japans Ostküste und der Westküste der USA. Gleichzeitig ist der Standort nahe der Küste für ein AKW (und auch KKW) ideal, weil kein Flusswasser zur Kühlung verbraucht/verdampft/erhitzt wird (Im Gegenteil, es kann mit einem AKW sogar sehr effizient Wasser entsaltzt werden) - Süßwasserknappheit ist ein wichtiges Problem unserer Zeit. Gleichzeitig leben die Menschen sehr gerne nahe der Küste (San Francisco, New York) und haben eine große Nachfrage nach Strom.

    Ergo - es ist völlig logisch AKW in diesen "Erdbebengebieten" zu bauen, zumal das Risiko überschaubar ist - Fukushima war nichts weiter als eine deutsch-japanische Massenhysterie in der von der Politik völlig irrationale und extrem teure Entscheidungen getroffen wurden, um kurzsichtig die Gunst der hysterischen Massen zu gewinnen. Langfristig werden diese Entscheidungen, sollten sie nicht revidiert werden, zum völligen Ruin beider Nationen führen.

  • Seit Jahrzehnten wurden die Netze auf Verschleiß gefahren und Investitionen in die Netze verschoben. Dafür stiegen die Gewinne und Dividenden für die Anteilseigner.

    Also statt die Gewinne zu reinvestieren, für moderne Netze oder für ausgereifte erneuerbare Energien, wurde das Geld entzogen.

    Und jetzt wird gejammert! Die Unternehmen sind zur Versorgungssicherheit verpflichtet! Und wenn sie dem nicht nachkommen können, gehören sie wieder in staatliche Hände!

    Leider wird das nie passieren, denn der ehemalige Vorstandsvorsitzende der E.ON AG Wulf Bernotat sitzt heute im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG und im Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, den Souffleusen der Politik.

    "Seit Juli 2005 müssen die Netzentgelte allerdings von der Bundesnetzagentur in Bonn genehmigt werden. Die erste Entscheidung im Juni 2006 betraf das schwedische Unternehmen Vattenfall, das das Hochspannungsnetz in Ostdeutschland und Hamburg betreibt. Die Bundesnetzagentur hielt die Kalkulation von Vattenfall für überhöht. Von den Kosten 2004, die die Basis für die Kalkulation der Netzentgelte darstellten, hat sie 11,7 Prozent nicht anerkannt. Bezogen auf den Vattenfall-Antrag für 2006 betrug der Abschlag sogar 18 Prozent. Auch anderen Energieriesen erging es nicht besser. Bei RWE wurde die Kalkulation um 9 Prozent gekürzt, bei EnBW um 8 Prozent."

  • ... richtig, incl. Wechselgutschrift. Und in einem Jahr wird wieder gewechselt. Ein Brief, 2 Unterschriften und einmal den Zähler ablesen ... bringt 250 €. Und das Spielchen mache ich, bis ich ins Pflegeheim komme. Sie können aber auch gerne bei Ihrem Stromanbieter bleiben und auf diese Gutschriften verzichten. Wir leben glücklicherweise in einem freien Land mit sozialer Marktwirtschaft.

  • @Freieenergie

    Wissen Sie wer genauso viel von Physik versteht, wie Sie? Frau Merkel. Sie denkt nämlich auch, dass es den Fluxkompensator aus Back To The Future tatsächlich gibt. Ab Teil II fliegen wir nicht mehr durch Plutonium angetrieben, sondern durch Müll und Bananenschalen. Freie Energie?!?! Deutschlands Bildungsnotstand war nie deutlicher zu sehen.

  • @Relax
    "der Strompreis sinkt denn Sonne, Wind, Gezeiten, Erdwärme sind halt kostenlos und sie werden es auch immer sein."

    Wieder einer aus der bildungsfernen Schicht. Ich wüsste gerne, wieso diese Energien kostenlos sind? Höchstens bis zu dem Punkt, dass man sie nicht nutzen will. Aber ab da muss man investieren, um diese Energie überhaupt erstmal nutzen zu können. Energie kostet immer. Gerne hört man die Sprüche der geistig Öko-Behinderten: "Die Sonne schickt keine Rechnung!" Stimmt, solange man nicht vorhat Strom daraus zu gewinnen. Sonst muss man nämlich erstmal in eine PV-Anlage investieren, um die Sonne nutzbar zu machen. So gesehen, schickt uns Öl auch keine Rechnung. Aber um da Energie daraus zu gewinnen, muss man etwas investieren. Also bitte keine hirnlosen Sprüche mehr von kostenloser Energie.

  • "Da merkt man nämlich, dass Stom nicht speicherbar ist."

    Natürlich ist er speicherbar. Und wenn die Netzkosten von den Energiemonopolisten nicht als Gewinne ausgeschüttet worden wären, hätten wir heite eigene Pumpspeicherwerke und Anbindung an Norwegen mit seinen unerschöpflichen Speichermöglichkeiten. Windgas ein weiteres Thema.
    Wir befinden uns am Anfang einer Entwicklung und in wenigen Jahre werden wir auch dafür Lösungen haben. Dies ist im rohstoffarmen Land wie Deutschland besonders wichtig. Und Öl und Gas werden nicht immer so billig bleiben!

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