Energieleitungsausbaugesetz
Siemens rechnet mit neuen Großaufträgen

Der Name ist sperrig, die Industrie jubelt dennoch über das neue Energieleitungsausbaugesetz. Vergangene Woche hat der Bundestag beschlossen, in Deutschland neue Stromautobahnen zu bauen. Jetzt machen sich die Elektrokonzerne Hoffnung auf Großaufträge für die Trassen.

MÜNCHEN. „Viele Planungen sind zuletzt in den Genehmigungsverfahren stecken geblieben. Hier hilft das Gesetz“, sagte Udo Niehage, Chef der Energieübertragungssparte von Siemens, dem Handelsblatt. Das neue Gesetz soll Stromversorgern Investitionen ins Netz erleichtern, weil diese finanziell attraktiver und die Genehmigungsverfahren vereinfacht werden. Ziel ist es, vor allem die erneuerbaren Energien zu fördern. Damit die von den geplanten Windparks vor der Küste erzeugten großen Strommengen in die Ballungszentren im Süden gelangen, sind vier neue Stromtrassen geplant – die Stromautobahnen.

Die Energieversorger werden in den nächsten Jahren viel Geld in neue Leitungen stecken. „Wir haben ein Investitionsprogramm von 2,5 Milliarden Euro für den Übertragungsnetzbereich in den kommenden zehn bis 15 Jahren aufgestellt“, sagte Tuomo Hatakka, Chef des Energieversorgers Vattenfall Europe, in einem Tagesspiegel-Interview. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass mit dem neuen Gesetz Investitionen von 30 Mrd. Euro auf den Weg gebracht werden, erklärte vergangene Woche Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte. Allein in den nächsten Jahren könnten es zehn Mrd. Euro sein.

Siemens will von diesen Milliarden einen möglichst großen Teil abbekommen. Gemeinsam mit der Schweizer ABB sind die Münchener führend auf dem Gebiet der Stromübertragung über weite Strecken. Dafür wird meist die sogenannte Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik (HGÜ) eingesetzt, ein Verfahren, mit dem Siemens in China Distanzen von 2 000 Kilometern überbrückt. „Es geht um Technik, die wir in Deutschland entwickelt haben, aber bislang nur in anderen Ländern einsetzen“, erläutert Siemens-Manager Niehage. HGÜ zeichnet sich dadurch aus, dass auf der langen Reise vergleichsweise wenig Energie verloren geht.

Aufwendige und langwierige Genehmigungsverfahren haben bislang Leitungsprojekte in Deutschland massiv verzögert. Dies soll sich mit dem neuen Gesetz jetzt ändern. Zudem haben die Parlamentarier den Weg frei gemacht, um Leitungen öfter unter der Erde zu verlegen. Das ist zwar teurer, ruft aber weniger Widerstand der Anwohner hervor. HGÜ-Leitungen sind dafür wie geschaffen und werden auch oft unter Wasser eingesetzt, etwa für die Verbindung von Windparks im Meer mit dem Land.

Siemens ist überzeugt, dass die Ausschreibungen zügig beginnen werden. „In etwa zwei Jahren könnte die erste neue Trasse in Betrieb gehen“, prophezeit Niehage. Pro Auftrag verspricht sich der Konzern einen Umsatz zwischen 100 und 450 Mio. Euro.

Neue Großprojekte wie die Stromautobahnen sind wichtig für die Hersteller der Übertragungstechnik. Denn in jüngster Zeit sind weltweit zahlreiche Vorhaben auf Eis gelegt worden. Vor allem private Investoren haben wegen der Bankenkrise Mühe mit der Finanzierung.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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