Energiemarkt
Eon und RWE verkaufen britische Atomtochter

Eon und RWE verabschieden sich Schritt für Schritt von der Atomkraft: Die beiden Versorger verkaufen ihre gemeinsame britische Tochter, die zwei Kernkraftwerke bauen sollte. Sie werden damit eine schwere Last los.
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Düsseldorf/TokioDie beiden größten deutschen Energieversorger Eon und RWE kommen bei ihrem Ausstieg aus der Atomenergie voran. Die Konzerne haben ihre britische Nukleartochter Horizon verkauft, wie beide am Dienstag mitteilten. Neuer Besitzer von Horizon Nuclear Power wird für insgesamt rund 696 Millionen Pfund (866 Mio Euro) der japanische Industriekonzern Hitachi. Eon und RWE hielten jeweils die Hälfte an dem Gemeinschaftsunternehmen. Die Aktienkurse der beiden Unternehmen reagierten in einem freundlichen Marktumfeld kaum, da der Verkauf erwartet worden war.

Hitachi will nun die geplanten Kernkraftwerke in Wylfa in Wales und Oldbury-on-Severn im Südwesten Englands bauen. „Heute beginnt unser Engagement für die nächsten hundert Jahre in Großbritannien“, erklärte Hitachi-Chef Hiroaki Nakanishi. Die Atomkraft sei eine „langfristige, sichere, emissionsarme und günstige Energiequelle“.

Eon und RWE wollten mit dem Joint Venture 2009 von dem angekündigten Investitionsprogramm der britischen Regierung profitieren. Dieses sieht Ausgaben von rund 110 Milliarden Pfund (137 Milliarden Euro) für neue Kraftwerke, bessere Stromnetze und die Reduzierung der Umweltverschmutzung vor. Horizon hatte Pläne, in Großbritannien mindestens zwei Atomkraftwerke für 15 Milliarden Pfund zu errichten. Doch angesichts hoher Schulden durch den Atomausstieg in Deutschland entschieden die Konzerne um. Der Bau von Atomkraftwerken ist extrem teuer und dauert Jahre.

RWE betonte am Dienstag, mit dem Verkauf seines 50-Prozent-Anteils an Horizon verfolge das Unternehmen nun national wie international keine weiteren Neubauprojekte im Kernenergiebereich mehr. Großbritannien bleibe aber einer der Kernmärkte, Potenzial sehe RWE mit „modernen und effizienten Kraftwerken sowie bei erneuerbaren Energien“. Eon bezeichnete den Verkauf als einen „weiteren Baustein“, um bis Ende 2013 insgesamt 15 Milliarden Euro durch Verkäufe zu erlösen.

Kürzlich hatte RWE bereits angekündigt, seinen Anteil von 34 Prozent an dem finnischen AKW-Konsortium Fennovaima verkaufen zu wollen, das den Bau eines Reaktors auf der Ostsee-Halbinsel Hanhikivi plant. Eon entschied sich zunächst für einen Verbleib in dem Projekt.

Am Dienstag hat RWE außerdem verkündet, seinen Anteil an den Berliner Wasserwerken für 658 Millionen Euro an die Stadt Berlin verkauft zu haben. „Damit sind wir in unserem Desinvestitionsprogramm um über eine Milliarde Euro weitergekommen“, sagte eine Sprecherin. In die sieben Milliarden Euro rechnen die Essener nicht nur Verkäufe ein, sondern auch eingesparte Investitionen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es soll das erste fischökologische Laufwasserkraftwerk der Welt werden, das in wenigen Monaten in Deutschland in Betrieb gehen wird. Die Kegelturbine ist das erste Kraftwerk, mit dem man gleichzeitig die Gesamtheit der künstlichen und natürlichen Fließgewässer der Erde energetisch ausnutzen kann.
    www.habek-wasserkraftwerke.de

  • Mit dem fischökologischen Laufwasserkraftwerk Kegelturbine ist die Übereinstimmung von wirtschaftlichen mit ökologischen Interessen gelungen. www.habek-wasserkraftwerke.de

  • @vandale
    Ändert aber nichts daran, dass das Risiko des Energiewendescheiterns höher ist als das weltweite Scheitern der Kernkraft.
    Politisch kann sich jederzeit immer etwas ändern. Deutschland war vor dem Jahr 2000 dafür bekannt, dass es feste und zuverlässige Wertvorgaben für Investoren gehabt hat. Spätestens mit der Energiewende ist die deutsche politische Zuverlässigkeit und das Vertrauen in die deutsche Politik gestört. Die Launenpolitik regiert Deutschland und nicht mehr die werthaltige, berechnbare und damit vertauensvolle Politik.
    Glaube kann nie eine wirtschaftliche und technische Vernunfts- und Verstandspolitik ersetzen. Dieser ideologische Erneuerbare Energieglaube macht uns Deutsche und insbesondere die deutschen Energieunternehmen zur technischen und wirtschaftlichen Lachnummer in der Welt.
    Somit wrackt sich gerade die gesamte Energiebranche in Deutschland selbst ab. Unsicherheit,Unzuverlässigkeit und hohe Strompreise werden bleiben. Die Rechnung hat die gesamte soziale Volkswirtschaft zu begleichen. Ein Wohlstandsdominostein wird dem anderem im freien Fall folgen.

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