Energiemarkt im Umbruch
Europas Versorger festigen ihre Macht

Auch nach GDF-Suez rollt die Fusionswelle weiter. Die Mitgliedsstaaten mischen bei der Neuordnung des Marktes kräftig mit, was vor allem deutsche Konzerne auf die Palme bringt. Und auch die Rolle des russischen Riesen Gazprom ist noch unklar.

DÜSSELDORF. Auf Europas Energiemarkt tobt ein spannender Wettlauf: Die EU-Kommission versucht mit aller Macht den schleppenden Wettbewerb in Gang zu bringen, gleichzeitig sichern sich die großen Versorger aber ihre Pfründe durch Übernahmen - und einige Mitgliedstaaten helfen dabei tatkräftig mit. Aus nationalen werden europäische Champions.

Diese Woche ist symptomatisch. Zuerst zwingt die EU-Kommission RWE mit einem Kartellverfahren zum Verkauf des Gasnetzes. Heute wird die Behörde versuchen, bei den Energieministern der Europäischen Union die nächsten Schritte für den einheitlichen Binnenmarkt durchzusetzen. Dazwischen aber besiegeln die französischen Branchenriesen Gaz de France und Suez ihre Fusion. Frankreichs Regierung schafft sich neben Electricité de France einen zweiten europäischen Branchenriesen.

Während die EU-Kommission in den vergangenen zwei Jahren für eine Entflechtung der großen Energiekonzerne, die Abspaltung der Strom- und Gasnetze, und damit mehr Wettbewerb gestritten hat, haben die Versorger schon Fakten geschaffen. Mit mehreren Mega-Fusionen brachten sie sich für den erwarteten schärferen Wettbewerb und den europäischen Binnenmarkt in Stellung.

Zuerst übernahm die spanische Iberdrola den britischen Versorger Scottish Power, dann sicherte sich die italienische Enel in Spanien Endesa und stach dabei in einem spektakulären Übernahmekampf Eon aus. Deutschlands Branchenprimus konnte sich im Gegenzug für einen freiwilligen Rückzug aber zumindest Teile von Endesa heraus schlagen. Und weil sich Gaz de France und Suez im Zuge ihrer Fusion von Aktivitäten in Belgien trennen müssen, kommen auch EDF und die italienische Eni zum Zuge.

"Die Energiekonzerne werden internationaler", sagt Branchenexperte Berthold Hannes von der Unternehmensberatung Bain. Sie reagierten auf den wachsenden Druck der Kartellbehörden in ihren Heimatmärkten mit der Flucht ins Ausland. In seinen Augen steht das den Zielen der EU-Kommission aber gar nicht entgegen: "Wer den europäischen Binnenmarkt will, muss auch akzeptieren, dass es große Spieler gibt, die europaweit agieren."

Seite 1:

Europas Versorger festigen ihre Macht

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%