Energiemarkt in Frankreich
Geschlossene Gesellschaft

Mit der Fusion der beiden Energievesorger Gaz de France und Suez macht Frankreich deutlich, dass es in Schlüsselindustrien auf nationale Lösungen setzt. Auch in anderen europäischen Ländern greíft der Protektionismus um sich. Die EU ist alarmiert.

BRÜSSEL./PARIS. Die politisch orchestrierte Fusion der beiden Versorger Gaz de France (GdF) und Suez schürt sogar im merkantilistischen Frankreich die Sorge vor einer neuen Ära des Protektionismus in Europa. „Überall herrscht fast schon Panik. Jedes Land versucht, seine nationalen Versorger zu schützen“, beobachtet Patrice Lambert-de Diesbach, Energieanalyst des Brokers CIC.

Anlass des unerwarteten Fusionsfiebers auf dem französischen Energiemarkt war der Angriff des italienischen Versorgers Enel auf Suez, um sich deren belgische Stromtochter Electrabel einzuverleiben. Die französische Regierung sah durch den Verkauf von Suez an ein ausländisches Unternehmen die nationalen Interessen bedroht und schmiedete umgehend ein politisch-industrielles Abwehrbündnis. Das düpierte Italien ruft um Hilfe. Die EU-Kommission müsse einschreiten, fordert Regierungschef Silvio Berlusconi. Enel-Chef Fulvio Conti sieht in dem Schachzug Frankreichs „das Begräbnis“ des europäischen Marktes.

Doch nicht nur die Regierung in Paris rüstet sich zur Abwehrschlacht. Auch in anderen Hauptstädten Europas lösen die transnationalen Fusionspläne großer Unternehmen nationalistische Reflexe aus. Madrid will die Übernahme des Energieversorgers Endesa durch den deutschen Eon-Konzern verhindern, Warschau sperrt sich gegen den Einstieg der italienischen Bank Unicredit in den polnischen Finanzmarkt, Luxemburg und Paris wettern gegen den Verkauf des Stahlkonzerns Arcelor an die indische Mittal-Gruppe. Vergessen ist das Bekenntnis von Europas Regierungschefs, man wolle die Bildung „europäischer Champions“ fördern, um den Wettbewerbern in den USA und Fernost Paroli zu bieten. Kaum lassen das Börsenklima und der Konjunkturaufschwung wieder große europäische Fusionen zu, fürchten sie den Ausverkauf ihrer heimischen Wirtschaft.

Die Europäische Kommission, die für einen freien Binnenmarkt und den ungehinderten Kapitalverkehr in der EU sorgen soll, reagiert alarmiert. Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy lässt seinen Sprecher mahnen, man beobachte die Tendenz zum Aufbau nationaler Hürden mit Sorge. Seine Kollegin von der Wettbewerbskontrolle, Neelie Kroes, wurde unlängst noch deutlicher: Die Strategie „nationaler Champions“ sei völlig veraltet und schwäche die EU im weltweiten Wettbewerb, rügte sie den Interventionismus so mancher Regierung.

Seite 1:

Geschlossene Gesellschaft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%